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Quantitative Investments

Gleichgewichtung: Das Gegenmittel gegen Konzentration oder ein weiteres verstecktes Risiko?

Wie geht eine Enhanced-Index-Strategie mit den Risiken um, die Marktkapitalisierung und Gleichgewichtung mit sich bringen?

Autor
Senior Quantitative Investment Manager
enhanced index

Dauer: 4 Minuten

Datum: 04. Feb. 2026

Key points

  • Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist bei den meisten großen Aktienindizes der Standard.

  • Indizes mit gleicher Gewichtung sind als Gegenmittel zum Konzentrationsrisiko beliebt.

  • Eine Gleichgewichtung kann jedoch versteckte Verzerrungen und einen höhere Umschlaghäufigkeit bedeuten.

  • Die Überlagerung eines Index mit einer aktiven Strategie ist eine überzeugende Option. Wir bezeichnen dies als einen Enhanced Index-Ansatz.

  • Ein Verständnis dieses Ansatzes hilft Anlegern, Risiko, Rendite und Handelskosten zu steuern.

Im Zentrum jedes Aktienindexes steht eine wichtige Entscheidung: Wie sollen die darin enthaltenen Aktien gewichtet werden? 

Die meisten Aktienindizes verwenden eine Gewichtung auf Grundlage der Marktkapitalisierung, bei der die größten Unternehmen, wie beispielsweise die „Magnificent Seven“, einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtzusammensetzung, die Eigenschaften und die Konzentration des Indexes haben. Dieser Ansatz spiegelt die gesamten investierbaren Möglichkeiten wider und gewährleistet Liquidität und Skalierbarkeit, was einer der Gründe dafür ist, dass er sich so weit verbreitet hat. Im Gegensatz dazu weisen gleichgewichtete Indizes jeder Aktie unabhängig von ihrer Größe das gleiche Gewicht zu. Das bedeutet, dass ein Small-Cap-Unternehmen genauso viel Einfluss auf den Index hat wie ein Mega-Cap-Gigant. Dies kann das Indexengagement in Richtung kleinerer und volatilerer Titel verlagern und die allgemeinen Sektor- und Finanzmerkmale des Index erheblich verändern.

Zur Index-Umschlagshäufigkeit

Ein oft übersehenes, aber wichtiges Ergebnis eines gleichgewichteten Index ist die Indexumschlagshäufigkeit – im Wesentlichen der Umfang der Handelsaktivitäten, die erforderlich sind, um das Gewichtungsmodell aufrechtzuerhalten. 

Gleichgewichtete Indizes müssen häufiger neu gewichtet werden als ihre marktkapitalisierungsgewichteten Pendants 

Da sich die Aktienkurse im Laufe der Zeit ändern, verschieben sich auch der Wert und das Gewicht jeder Aktie im Index. Gleichgewichtete Indizes müssen daher häufiger neu gewichtet werden als ihre marktkapitalisierungsgewichteten Pendants, um eine gleichmäßige Gewichtung aufrechtzuerhalten. So war beispielsweise der Indexumsatz des gleichgewichteten S&P 500 in den letzten zehn Jahren mehr als fünfmal so hoch wie der des standardmäßigen marktkapitalisierungsgewichteten S&P 500.1

Mit „Stil“ investieren

Obwohl der Unterschied zwischen Marktkapitalisierung und gleichgewichtigen Indizes rein strukturell erscheinen mag, führen die unterschiedlichen Methoden zu unterschiedlichen finanziellen Merkmalen mit Expositionen gegenüber unterschiedlichen Aktien-"Faktoren", die manchmal als Anlage-"Stile" bezeichnet werden.

Zum Beispiel haben Marktkapitalisierungs-gewichtete Indizes in den größten Unternehmen mehr Gewicht. Diese Unternehmen weisen in der Regel im Durchschnitt ein stärkeres aktuelles Gewinnwachstum und eine bessere Preisperformance auf und sind daher von Natur aus trendfolgender als gleichgewichtige Indizes. Diese Eigenschaften von Marktkapitalisierungsindizes führen zu einer größeren Momentum-Exponierung im Vergleich zu gleichgewichtigen Indizes.

Andererseits können gleichgewichtige Indizes die Exponierung gegenüber kleineren Unternehmen erheblich erhöhen, oft mit günstigeren Bewertungen, niedrigeren Wachstumserwartungen und erhöhter Volatilität.

S&P 500 Equal Weight vs S&P 500

Style Chart Quelle: Style Research Stand 31. Dezember 25.

Gleichgewichtete Indizes können in Zeiten einer breiteren Marktpartizipation, in denen kleinere Unternehmen und Value-Faktoren eine Rally erleben, eine Outperformance erzielen. Diese Vorteile können jedoch mit einer höheren Volatilität und einem höheren Risiko einhergehen. Die Faktoren „Value“ und „Small Size“ können über längere Zeiträume eine Underperformance aufweisen, wenn es zu einer starken Momentum-Performance kommt, die sich auf einen engen, großkapitalisierten Teil des Marktes konzentriert.

Es ist wichtig, das Ausmaß dieser Exponierungen in verschiedenen Indizes zu berücksichtigen, sodass es nicht nur um die Richtung geht, sondern auch um das Ausmaß der Verzerrungen, die durch die Wahl des Index entstehen.

Von der Theorie zur Allokation

Die Wahl des Index ist nicht nur theoretischer Natur. Sie hat reale Konsequenzen für die Strategiegestaltung, den Portfolioaufbau, das Risikoengagement und die langfristige Performance.

Marktkapitalisierungs-gewichtete Indizes zeichnen sich durch strukturelle Konzentration und eine Tendenz zum Wachstum und Momentum der Large-Caps aus

Marktkapitalisierungs-gewichtete Indizes sind effizient, liquide und kostengünstig in der Implementierung. Ihre geringe Umschlagshäufigkeit hilft, Transaktionskosten und Kapitalertragsausschüttungen zu minimieren. Marktkapitalisierungs-gewichtete Indizes zeichnen sich jedoch durch strukturelle Konzentration und eine Neigung zum Wachstum und Momentum großer Unternehmen aus und lassen Anleger möglicherweise gegenüber anderen Faktoren wie Value, Quality, geringe Volatilität und geringe Größe unterexponiert.

Andererseits können gleichgewichtige Indizes eine Exponierung für kleinere, günstigere Aktien bieten, die weniger in Mode sind. Dies geht in der Regel aber mit höheren Umsatz- und Transaktionskosten einher - insbesondere bei größeren Strategien, bei denen Handelskapazität eine Rolle spielt.

Eine systematische Tendenz zu Value-, Quality- und Momentumaktien hat das Potenzial, langfristig eine Outperformance zu erzielen.

Die potenziellen Vorteile eines Enhanced Index- Ansatzes

Für Anleger, die eine Diversifizierung ihres Portfolios anstreben, kann es eine attraktive Strategie sein, eine aktive Strategie über einen ausgewählten Index zu legen, der unterrepräsentierte Faktoren verstärkt. Beispielsweise kann die Zusammenstellung eines Portfolios, das auf einem Marktkapitalisierungs-gewichteten Index basiert, aber systematisch auf Value-, Quality- und Momentum-Aktien dieses ausgerichtet ist, langfristig eine Outperformance erzielen. Diesen Ansatz verfolgen wir bei unseren Enhanced Index- Portfolios.

 

Abschließende Gedanken…

Es gibt mehrere geeignete Lösungen, um Konzentrationsrisiken zu reduzieren und gleichzeitig ein Portfolio mit diversifizierten Faktor-Exposures auf kosteneffiziente Weise aufzubauen. Entscheidend bei all diesen Lösungen ist, zu verstehen, dass die Wahl des Indexdesigns implizit Wetten auf bestimmte Faktoren beinhaltet - selbst bei Strategien, die diese Indizes passiv nachbilden. Es kommt nicht nur darauf an, in was man investiert, sondern auch darauf, wie man diese Positionen gewichtet. Genau diese Gewichtung definiert systematische Renditequellen, denen man ausgesetzt ist.

In einer Welt voller versteckter Portfolio-Neigungen: Bevorzugen Sie die Einfachheit impliziter Faktor-Exposures oder die Präzision einer bewussten Faktor-Auswahl?

  1. Source S&P Global as at 31/12/2025 

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