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The Investment OutlookAktien: Qualitäts-Strategien – erprobt, hinterfragt und weiterhin relevant
Nach einer der schwierigsten Phasen seit Jahrzehnten steht das qualitätsorientierte Investieren in Aktien besonders im Fokus. Wir beleuchten, warum Qualitätsstrategien zuletzt unter Druck geraten sind, was sich derzeit verändert und weshalb Disziplin, Bewertung und fundamentale Kennzahlen langfristig nach wie vor entscheidend sind.
Autor
Devan Kaloo
Global Head of Equities

Dauer: 5 Minuten
Datum: 03. Mai 2026
In den vergangenen Jahren ist kaum ein Investmentstil so intensiv hinterfragt worden wie das qualitätsorientierte Investieren.
Einst als verlässlicher Ansatz gesehen, um Vermögen über die Zeit stetig zu vermehren, hat „Quality“ eine der schwierigsten Phasen seit Jahrzehnten erlebt. Von 2021 bis 2025 blieb der Stil deutlich hinter den breiten Aktienmärkten zurück.
Diese Erfahrung hat bei manchen Investoren eine unbequeme Frage aufgeworfen: Funktioniert ein Qualitätsansatz im Aktienmarkt überhaupt noch?
Unsere Antwort lautet: Ja. Doch die jüngste Phase war eine klare Erinnerung daran, dass Qualität nicht jederzeit überlegen ist. Wie Qualität definiert, wie sie bewertet und wie sie umgesetzt wird, ist ebenso entscheidend wie die dahinterstehende Philosophie selbst.
Was verstehen wir unter Qualität?
Im Kern geht es beim qualitätsorientierten Anlegen darum, in Unternehmen zu investieren, die über die Zeit hinweg für ihre Aktionäre Mehrwert schaffen können. Dazu zählen typischerweise Firmen mit hoher Profitabilität, soliden Bilanzen, stabilen und nachhaltigen Cashflows sowie Wettbewerbsvorteilen, die es ihnen ermöglichen, zu investieren und zu wachsen.
Langfristig folgen Aktienkurse in der Regel den Gewinnen und Cashflows – nicht kurzfristiger Marktbegeisterung. Deshalb hat Qualitäts-Investing historisch über vollständige Marktzyklen hinweg attraktive risikoadjustierte Renditen erzielt - auch wenn es in stärker spekulativen Phasen zeitweise hinterherhinken kann.
Das vergangene Jahrzehnt hat jedoch auch dazu geführt, dass „Qualität“ zu einem überlaufenen Schlagwort wurde. Mit zunehmender Beliebtheit des Stils verengten sich die Definitionen. Viele Anleger verließen sich stark auf rückwärtsgerichtete Kennzahlen wie geringe Volatilität, gleichmäßige Gewinne oder ausgewiesene Eigenkapitalrenditen. In einigen Fällen begannen sich die Portfolios auffallend zu ähneln – und wurden zugleich immer teurer.
Das ist relevant, denn Qualität um jeden Preis ist kein Selbstläufer.
Warum Qualität von 2021 bis 2025 unter Druck stand
Die jüngste Underperformance von Qualitätsstrategien war weniger Ausdruck schwacher Fundamentaldaten als vielmehr das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kombination von Marktkräften.
Erstens führte der starke Anstieg von Inflation und Zinsen nach der Corona‑Erholung zu deutlich höheren Abzinsungssätzen, die bei Aktienbewertungen zugurnde gelegt wurden. Unternehmen mit langfristig stabilen Cashflows – ein typisches Merkmal von Qualität – wurden wie langlaufende Vermögenswerte behandelt, was zu spürbaren Bewertungsabschlägen führte.
Zweitens kam es an den Märkten zu starken zyklischen Erholungen, die Unternehmen mit niedrigere Qualität und stärker Verschuldung mit hoher kurzfristiger Sensitivität gegenüber nominalem Wachstum begünstigten. In solchen Phasen können Vorsicht und Bilanzstärke zeitweise von operativem Hebel und Momentum überlagert werden.
Drittens war die Marktführerschaft extrem konzentriert. Eine kleine Gruppe großer Technologie- und KI‑bezogener Titel dominierte die Indexrenditen - verstärkt durch den wachsenden Einfluss passiver Kapitalzuflüsse. Diese Konzentration erschwerte es breit diversifizierten, qualitätsorientierten Portfolios, mitzuhalten – selbst bei guter operativer Entwicklung der zugrunde liegenden Unternehmen.
Das Ergebnis war eine außergewöhnliche Phase relativer Underperformance von Qualität – mit nur wenigen historischen Vergleichsfällen.
Underperformance ist unangenehm – aber nicht ungewöhnlich
Solche Phasen sind sowohl finanziell als auch emotional herausfordernd. Die Historie zeigt jedoch, dass Underperformance kein Fehler einer disziplinierten Strategie ist, sondern ein unvermeidbarer Bestandteil davon.
Anlagestile kommen und gehen. Wenn Qualität deutlich zurückbleibt, liegt das häufig daran, dass Märkte ganz andere Eigenschaften belohnen – etwa Verschuldung, Spekulation oder überzeugende Narrative – statt nachhaltiger Cashflow‑Generierung. Solche Extreme haben sich historisch jedoch selten dauerhaft gehalten.
Vergangene Phasen, in denen Qualität deutlich unter ihren langfristigen Trend fiel, wurden oft von kräftigen und nachhaltigen Erholungen gefolgt, sobald sich Bedingungen normalisierten und Fundamentaldaten wieder durchsetzten. Mean Reversion – die Tendenz, dass sich Extreme über die Zeit wieder normalisieren – ist kein präzises Timing‑Instrument, entfaltet aber über vollständige Marktzyklen hinweg eine starke Wirkung.
Warum das Umfeld wieder günstiger wird
Mehrere der Gegenwinde, die Qualitätsstrategien in den vergangenen Jahren belastet haben, lassen inzwischen nach.
Trotz der Konflikte im Nahen Osten hat sich die Inflation abgeschwächt, und die Zinsen scheinen sich eher zu stabilisieren als weiter deutlich zu steigen. Das reduziert den Bewertungsdruck auf langfristige Cashflows und rückt Bilanzstärke sowie die Planbarleit der Erträge wieder stärker in den Fokus.
Zugleich zeigen sich erste Anzeichen dafür, dass sich die Marktführerschaft über wenige Mega‑Caps hinaus verbreitert. Wenn spekulative Euphorie nachlässt, werden Investoren in der Regel selektiver und konzentrieren sich wieder stärker auf Profitabilität, Cashflow‑Generierung und Kapitaleffizienz.
Auch die Bewertungen sind vielerorts wieder attraktiver. In vielen Regionen ist die Spanne zwischen den günstigsten und teuersten Aktien historisch hoch. Das schafft ein günstiges Umfeld für aktive Investoren, qualitativ hochwertige Unternehmen zu vernünftigen Preisen zu finden – insbesondere dort, wo die Fundamentaldaten intakt geblieben sind, die Stimmung sich aber abgekühlt hat.
Qualität neu denken: über einfache Kennzahlen hinaus
Eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre ist, dass sich Qualität nicht auf einen einzelnen Filter oder eine einfache Formel reduzieren lässt.
Zentrale Kennzahlen wie Eigenkapitalrendite oder Margenstabilität können durch Bilanzierungsentscheidungen, Kapitalintensität oder die Kapitalstrukturen verzerrt sein. Glatte Gewinnverläufe sind nicht zwangsläufig ein Zeichen von Widerstandsfähigkeit, und zyklische Geschäftsmodelle sind nicht automatisch von niedriger Qualität.
Ebenso wichtig sind qualitative Faktoren, die sich nur schwer in Zahlen fassen lassen: Wettbewerbspositionierung, Preissetzungsmacht, Branchenstruktur und – entscheidend – der Umgang des Managements mit der Kapitalallokation. Selbst das beste Geschäftsmodell kann durch schlechte Entscheidungen Schaden nehmen, während umsichtiges Management langfristigen Wert schaffen kann.
In diesem Sinne ist Qualität kein „kaufen und vergessen“, sondern ein „kaufen, beobachten und regelmäßig hinterfragen“ – mit klarem Fokus darauf, ob ein Unternehmen weiterhin attraktive Renditen auf das eingesetzte Kapital erzielt.
Qualität für immer – auch wenn das Label verblasst
Es ist durchaus möglich, dass „Qualität“ als Marketingbegriff nach einer schwierigen Phase an Popularität verliert. Qualität als Investmentprinzip jedoch kann nicht verschwinden, solange Märkte funktionieren.
Letztlich wird der faire Wert eines Unternehmens durch seine Fähigkeit bestimmt, über die Zeit Cashflows für seine Eigentümer zu erwirtschaften. Langfristiges Investieren bedeutet im Kern, solche Unternehmen zu vernünftigen Preisen zu kaufen und durch die Höhen und Tiefen des Marktzyklus zu halten.
Qualitätsorientiertes Investieren liefert nicht in jedem Jahr gleichmäßige Renditen. Doch die Geschichte zeigt: Wenn Qualität durchdacht definiert, sorgfältig bewertet und diszipliniert umgesetzt wird, bleibt sie eine der verlässlichsten Möglichkeiten, Kapital langfristig zu vermehren.
Qualität gewinnt nicht immer.
Aber über die Zeit hinweg bleibt sie entscheidend.
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