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The Witt

Bei der europäischen Verteidigung geht es um weit mehr als nur Waffen

Mein Standpunkt: Private Markets könnten die wahren Gewinner des europäischen Sicherheitsresets sein

Autor
Senior Investment Specialist – Private Markets Solutions

Duration: 3 Minuten

Datum: 23. Sep. 2026

Die Verteidigungsausgaben steigen rasant an. Bündnisse verschieben sich. Geopolitische Spannungen nehmen zu. Dennoch konzentrieren sich die Schlagzeilen nach wie vor auf Verteidigungsetats, Beschaffungsprogramme und die offensichtlichen Profiteure.

Meiner Meinung nach wird dabei das große Ganze möglicherweise übersehen.

Ein struktureller Wandel

Was gerade geschieht, ist von weitreichenderer Bedeutung. Europa steht vor einer mehrjährigen Phase des Wiederaufbaus seiner militärischen Fähigkeiten, seiner industriellen Kapazitäten, seiner kritischen Infrastruktur und seiner technologischen Souveränität.

Jahrzehntelang war Effizienz das Leitprinzip der Wirtschaftspolitik. Lieferketten erstreckten sich rund um den Globus. Energiesicherheit trat gegenüber den Kosten in den Hintergrund. Kritische Technologien wurden ausgelagert. Verteidigungshaushalte wurden gekürzt.

Dieses Modell wird derzeit neu bewertet. 

Regierungen machen sich nun Sorgen um Cyberangriffe, kritische Infrastruktur, den Zugang zu Halbleitern, Energieversorgungssicherheit und technologische Souveränität. In der Wirtschaft werden dieselben Diskussionen geführt. Nationale Sicherheit ist nicht mehr nur eine militärische Angelegenheit. Sie ist zu einer wirtschaftlichen Frage geworden.

Die Chancen für Investoren gehen über Unternehmen hinaus, die militärische Ausrüstung herstellen

Die Chancen für Anleger gehen über Unternehmen hinaus, die militärische Ausrüstung herstellen. Zur Verteidigung gehören auch Unternehmen, die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit ermöglichen. Dazu zählen Cybersicherheitsplattformen, sichere Kommunikationsnetzwerke, fortschrittliche Sensortechnologien, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Sicherheitstools, spezialisierte Fertigungskapazitäten und die Infrastruktur, die diese unterstützt.

In vielen Fällen entwickeln diese Unternehmen sogenannte Dual-Use-Technologien, die sowohl von Unternehmen als auch von staatlichen Stellen eingesetzt werden. Ihre Produkte sind Teil des wirtschaftlichen Alltags, auch wenn ihr Ursprung in der nationalen Sicherheit liegt. Das eröffnet zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten, bedeutet aber auch, dass Anleger den vorgesehenen Einsatzzweck einer Technologie und ihre letztlichen Nutzer genau prüfen sollten.

Was mich fasziniert, ist, wie die Technologie dieses Thema neu prägt.

Technologischer Wandel

In der Vergangenheit flossen Innovationen im Verteidigungsbereich von den Regierungen in die Privatwirtschaft. Heute ist die Richtung oft umgekehrt. 

Von Risikokapital finanzierte Unternehmen entwickeln einige der bedeutendsten Innovationen in den Bereichen KI, Software, autonome Systeme und Datenanalyse – oft Jahre, bevor sie zu bekannten Namen werden . Ich sehe darin eine der überzeugendsten Anlagemöglichkeiten.

Eine zentrale Rolle für die Private Markets

Viele der Unternehmen, die die Widerstandsfähigkeit Europas prägen, befinden sich nach wie vor in privater Hand. Ich glaube, dass dort ein Großteil des größten Mehrwerts geschaffen wird – lange bevor diese Unternehmen an die Börse gehen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Private Markets im nächsten Kapitel Europas eine zentrale Rolle spielen werden - und nicht nur eine Nebenrolle. Sie werden das Kapital bereitstellen, das benötigt wird, um Technologien aufzubauen und zu skalieren, die für Regierungen und Unternehmen inzwischen unverzichtbar geworden sind.

Nicht jedes Unternehmen wird Erfolg haben, und Innovation verläuft nicht immer geradlinig. Dennoch bin ich überzeugt, dass viele der künftigen Technologieführer im Bereich Sicherheit und Resilienz derzeit noch in der Aufbauphase sind. Investoren, die erst auf eine Börsennotierung warten, riskieren, könnten zu spat kommen.

Europas Neuausrichtung im Verteidigungsbereich ist erst der Anfang

Ich halte Europas Fähigkeit, seine technologische und industrielle Stärke wieder aufzubauen, für weitaus faszinierender als den in den Schlagzeilen viel beachteten Anstieg der Verteidigungshaushalte.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Verteidigungsausgaben steigen werden, sondern welche Unternehmen die daraus entstehenden Chancen nutzen und langfristig Wert schaffen werden. Meiner Ansicht nach ist dieser Wandel bereits in vollem Gange. 


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