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China

Jahr des Pferdes: China findet seinen Rhythmus

Handelsstärke, KI-„Infrastruktur“ und ein stabilerer Renminbi (RMB) verändern das Feld der Gewinner.

Autoren
Head of China equities
Senior Emerging Markets Economist
Lead Manager, Aberdeen Asian Income Fund
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Dauer: 4 Minuten

Datum: 11. Feb. 2026

China ist mit mehr Schwung ins Jahr des Pferdes gestartet, als viele Anleger noch vor einem Jahr erwartet hatten. Im Jahr 2025 erzielte das Land erneut ein BIP Wachstum von 5 % [1], überstand Präsident Trumps Zollschock vom „Liberation Day“ und verzeichnete einen rekordhohen Handelsüberschuss. Der chinesische Aktienmarkt zählte 2025 mit Renditen von über 30 % zu den weltweit stärksten Anlageklassen [2]. Die Frage lautet nun: Wie geht es weiter? Ein Blick auf die wichtigsten Entwicklungen:

Rückblick

Trotz höherer Zölle hat sich Chinas Wachstumsstruktur weiter in Richtung Handel verschoben. Im Jahr 2025 entfiel nahezu ein Drittel des BIP‑Wachstums auf den Außenhandel (ein Anstieg um 2,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) [3], wodurch ein schwächerer Beitrag der Investitionsausgaben ausgeglichen wurde. Unternehmen hielten ihre Exporte durch Preisanpassungen wettbewerbsfähig, während der Dienstleistungssektor sich als leiser Treiber der Binnenkonjunktur erwies.

Auch der Beitrag des Konsums zum Wachstum erhöhte sich, obwohl die Einzelhandelsumsätze moderat blieben. Das verfügbare Einkommen wuchs weiterhin schneller als das nominale BIP – gestützt durch höhere staatliche Transfers sowie robuste Lohn- und Gehaltsentwicklungen und trotz weiterhin rückläufiger Immobilienerträgen. Auch die robusten Aktienmärkte trugen zur Stimmungsaufhellung bei, selbst wenn Haushalte weiterhin nur gering in Aktien investiert sind.

Politische Unterstützung und Währungsumfeld

Im Januar kündigte die People’s Bank of China (PBOC) eine Reihe von Maßnahmen zur Stützung ihrer Kreditprogramme an. Sie signalisierte zudem mögliche Senkungen des Leitzinses und deutete weiteren Aufwertungsraum für den Renminbi (RMB) an. Gleichzeitig betonten die Verantwortlichen, dass die Mindestreserveanforderung noch weiter gesenkt werden könne, um zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Darüber hinaus wird erwartet, dass ein großer Bestand auslaufender Termineinlagen – Festgeldkonten mit niedrigeren Zinssätzen – das Finanzumfeld 2026 entspannen wird.

Chinas Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen US‑Dollar hat dazu geführt, dass die PBOC eine stärkere Landeswährung zulässt. Gleichzeitig bleibt offen, wie lange die Weltgemeinschaft tolerieren wird, dass China seinen Anteil am Welthandel weiter ausbaut. Zudem besteht das Risiko, dass ein festerer RMB die Deflationstendenzen verfestigen könnte insbesondere, solange Überkapazitäten bestehen.

Eine stärkere Währung dürfte ausländisches Interesse an chinesischen Vermögenswerten erhöhen. Unklar bleibt hingegen, ob fallende Immobilienpreise und niedrigere Renditen auf chinesische Termineinlagen Haushalte dazu bewegen, stärker in Aktien umzuschichten.

KI‑Innovation: China setzt sich ab

Chinas heimisches KI‑Ökosystem entwickelt sich weitaus dynamischer, als es der Markt derzeit widerspiegelt. Unternehmen umgehen technologische Einschränkungen durch neue Architekturansätze, Open‑Source‑Modelle und ingenieurgetriebene Pragmatik – Entwicklungen, die sich bei gezielter Kapitalallokation und politischer Unterstützung schnell gegenseitig verstärken. Wir erwarten, dass immer mehr dieser Lösungen zu marktfähigen Produkten werden und im gesamten Ökosystem breite Anwendung finden.

Wir erwarten, dass KI und Technologie die Marktentwicklung dominieren werden. Allerdings steht weniger die KI selbst im Vordergrund als vielmehr ihre „Infrastruktur“: der Ausbau von Rechenzentren, Komponenten, industrieller Automatisierung und Software‑Ebenen, die sich tief in alltägliche Arbeitsabläufe integrieren. Diese weniger spektakulären Bereiche zeichnen sich oft durch verlässlichere Nachfrage aus. Gewinner werden jene Unternehmen sein, die über Skalenvorteile, Datenzugang und solide Bilanzen verfügen und so eine nachhaltige Monetarisierung sicherstellen können.

Worauf wir achten

Wir sehen langfristiges Potenzial bei Herstellern von Ausrüstung für die Halbleiterproduktion sowie bei Anbietern von KI‑Technologien. Die globale Verbreitung von KI – insbesondere in der Unterhaltungselektronik – dürfte zudem die Nachfrage nach Hardware und Rechenzentrumsinfrastruktur stärken.

Auf der Seite des inländischen Konsums gewinnen stationäre Discounter und Quick‑Commerce‑Anbieter Marktanteile, was Marken mit starker Logistik zugutekommt. Der Online‑Wettbewerb bleibt intensiv. Steigende Einlaufskosten belasten Margen, und die strukturell schwächere Nachfrage nach Milchprodukten belastet das Umfeld zusätzlich.

Wir bevorzugen renditeorientierte und innovative Anbieter im Bereich Tiernahrung gegenüber traditionellen Konsumgütern wie Bier und Gewürzen.

Konsumsektor: Alte Muster weichen neuen Realitäten

Im Konsumsektor dürfte sich die Trennung zwischen „neu“ und „traditionell“ fortsetzen. Neue Konsumunternehmen erwarten stärkeres Wachstum, während klassische Konsumgüterhersteller weiterhin mit Lagerbereinigungen kämpfen. Die Regierung verfolgt klar das Ziel, die Binnenkonjunktur zu stärken. In diesem Umfeld bevorzugen wir Konsumunternehmen mit Preissetzungsmacht, starker Logistik und Vertrieb sowie soliden Cashflows.

Ein sich verengender Zinsabstand zwischen den USA und China, eine kurzfristige Schwäche des US-Dollars, mögliche Zinssenkungen der US‑Notenbank vor der PBOC sowie robuste Exporte stützen den RMB. Eine festere Währung wirkt sich in der Regel positiv auf chinesische Aktien aus, da sie stabile Kapitalflüsse und eine verbesserte Risikobereitschaft signalisiert.

Abschließende Gedanken…

Trotz bestehender Herausforderungen deuten die Dynamik im Handel, politische Unterstützung und Chinas rasch fortschreitende KI‑„Infrastruktur“ auf eine Veränderung der Wachstumsstruktur hin. Für Anleger werden diese Themen entscheidend sein, um die Nachhaltigkeit dieser Verschiebung zu bewerten. Und während China im Jahr des Pferdes zunehmend an Tempo gewinnt, dürften jene Unternehmen am stärksten profitieren, die dieses Momentum am effektivsten nutzen können.

Die genannten Unternehmen dienen ausschließlich illustrativen Zwecken, um den beschriebenen Investmentansatz zu veranschaulichen, und stellen weder eine Anlageempfehlung noch eine Aussage über zukünftige Wertentwicklungen dar.

[1] Nationales Statistikamt Chinas. Januar 2026

[2] Aberdeen, Bloomberg. Dezember 2025

[3] Aberdeen, Haver, Januar 2026

[4] Chinesische Zollbehörde. Januar 2026

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