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The Witt

Warum der industrielle Aufschwung in Europa gerade erst beginnt

Meine Einschätzung: Europas industrieller Aufschwung befeuert einen Wandel auf dem Immobilienmarkt.

Autor
Head of European and Asia-Pacific Real Estate Investment Research

Dauer: 3 Minuten

Datum: 10. Juli 2026

Europas industruielle Renaissance ist keine verspätete Erleuchtung. Wie meine Kollegen bestätigen werden, setze ich mich schon seit Langem für dieses Segment ein – und das aus gutem Grund: Es ist einer der wenigen Sektoren, die von verstärkten langfristigen Strukturtrends profitieren dürften.

Die Chancen gehen weit über die Verteidigung hinaus

Während viele den Wiederaufbau der europäischen Verteidigung als das große Thema für den Industriesektor betrachten, glaube ich, dass die Chancen breiter gefächert und strukturellerer Natur sind.

Gewerbeimmobilien sind nicht nur eine Nebensache – sie spielen eine zentrale Rolle für unsere wirtschaftliche Zukunft.

Europas neue übergreifende „Made in Europe“-Politik, die durch den „Industrial Accelerator Act“ umgesetzt wird, und die moderne Industriestrategie des Vereinigten Königreichs bedeuten, dass Industrieimmobilien nicht nur ein Nebenschauplatz sind – sie sind von zentraler Bedeutung für unsere wirtschaftliche Zukunft.

"Ein aufschlussreicher „Macro Bytes“-Podcast, in dem unser Chefökonom Paul Diggle mit Neil Shearing von Capital Economics über das Thema „globale Fragmentierung“ spricht, hat meine Überzeugung gestärkt, dass ein fragmentiertes globales System erhebliche realwirtschaftliche Auswirkungen auf die europäische Produktion hat.

Doch ohne belastbare Evidenz ist ein Thema wertlos. Europäische Industrieimmobilien erzielten in der Anfangsphase der Pandemie annualisierte Renditen von bis zu 40 %, verglichen mit 25 % bei Logistiklagern. Doch dies war kein einmaliger Erfolg: In den 15 Jahren bis 2025 erzielten kleinere Industrie- und Produktionsimmobilien eine Rendite von 9,5 % pro Jahr gegenüber 7,7 % bei Logistikimmobilien.1

Die Politik treibt die Nachfrage an

Was lässt mich also glauben, dass dieser Trend anhalten kann? Die Politik ist der Übertragungsmechanismus, über den Theorie in reale wirtschaftliche Aktivität umgesetzt wird - und ich habe beobachtet, wie die Politik allmählich mit den Ansichten von Paul und Neil gleichzieht. Im Laufe des letzten Jahres oder so haben Europas führende Politiker die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zunehmend offen mit dem Wiederaufbau heimischer Industrien verknüpft. Die EU-Initiative „Made in Europe“, deren Ziel es ist, den Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP bis 2035 auf 20 % zu steigern, bringt diese neue Denkweise auf den Punkt. Meinen Berechnungen zufolge würde das Erreichen dieses Ziels bedeuten, über einen Zeitraum von zehn Jahren jährlich rund 20 Millionen Quadratmeter neue Industrie- und Logistikflächen zu errichten – das entspricht in etwa der Fläche von eineinhalb Heathrow-Flughäfen pro Jahr. Und das zusätzlich zu dem, was ohnehin bereits gebaut wird, nur um den Status quo zu halten. Das ist außergewöhnlich.

Das ist erst der Anfang

Und diese Entwicklung wird nicht von einer einzigen politischen Maßnahme getragen. Von Verteidigung und Energie bis hin zu Halbleitern und Pharmazeutika richtet Europa seine Wirtschaft neu aus. Allein die Aufrüstung im Verteidigungsbereich könnte eine zusätzliche Nachfrage nach Industrieflächen von schätzungsweise 37 Millionen Quadratmetern erzeugen.2 Ich gehe jedoch davon aus, dass eine umfassendere Reindustrialisierung etwa das Fünffache dieser erfordert. Kombiniert man dies mit der Nachfrage im E-Commerce in Europa, die in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich 10 Millionen Quadratmeter pro Jahr betragen wird, so scheinen die Rückenwinde für Industrie- und Logistikimmobilien stärker denn je zu sein.

Großes Potenzial, knappes Angebot

Der eigentliche Mehrwert für Investoren liegt in der Bandbreite dessen, was heute unter „Industrie“ zu verstehen ist. Es handelt sich nicht nur um riesige Lagerhallen für den Online-Handel oder baufällige Scheunen, vor denen ein Wachhund angekettet ist. Gemeint sind heute Hightech-Werkstätten, Produktionsanlagen für saubere Energie, Verteidigungsanlagen, pharmazeutische Produktionsstätten, Kühlhäuser und die gesamte Lieferketteninfrastruktur, die benötigt wird, um ein autarkeres Europa zu unterstützen. Gerade diese Einrichtungen sind Mangelware.3 Diese Knappheit - verbunden mit der Notwendigkeit und einer immer stärkeren politischen Unterstützun - ist der Grund, warum ich Industrieimmobilien als zukünftige Outperformern betrachte.


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