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Frontier Markets

Frontier Markets- Anleihen: die nächste Stufe der Diversifizierung

Warum diese Anlageklasse zunehmend in den Fokus rückt

Frontier Market Bonds

Dauer: 5 Minuten

Anleihen aus Frontier Markets rücken zunehmend aus den Randbereichen der Portfolios in den Fokus. Mit der fortschreitenden Entwicklung der Schwellenländeranleihen blicken Anleger weiter entlang der Entwicklungskurve – hin zu Volkswirtschaften, die ein höheres Rendite- und Ertragspotenzial bieten und weniger von globalen makroökonomischen Faktoren als vielmehr von länderspezifischen Fundamentaldaten bestimmt werden.

Dieser letzte Punkt ist entscheidend: In den letzten zehn Jahren wiesen Anleihen aus den Frontier Markets eine Korrelation von nur 0,03 zu US-Staatsanleihen auf, was verdeutlicht, wie unabhängig dieses Segment ist [1]. In einem Umfeld, in dem Diversifikation immer schwerer zu erreichen ist, ist diese Art von Unabhängigkeit selten und wertvoll.

Doch hier geht es nicht nur um Diversifizierung. Die Frontier-Märkte selbst verändern sich – strukturell, wirtschaftlich und finanziell – auf eine Weise, die die Grundlage für Investitionsentscheidungen spürbar verändert.

Öffnung der Märkte

Frontier-Volkswirtschaften waren in der Vergangenheit durch einen begrenzten Marktzugang und die Abhängigkeit von staatlicher Finanzierung gekennzeichnet. Das ändert sich. Im Laufe der Zeit hat die Emission von Eurobonds zugenommen, die politischen Rahmenbedingungen haben sich verbessert und das Engagement ausländischer Investoren hat sich ausgeweitet.

Jüngste Entwicklungen unterstreichen diesen Wandel. Im März 2026 brachte die Demokratische Republik Kongo sechs- und elfjährige Anleihen auf den Markt, die rund vierfach überzeichnet waren. Dies deutet auf eine starke Nachfrage selbst in weniger etablierten Märkten hin. Auch anderswo untermauern wiederholte Emissionen von Ländern wie Kenia, Nigeria, Ghana und Sambia das Potenzial dieser Anlagemöglichkeit.

Auch die Märkte für lokale Währungen wachsen rasant. Nach der Pandemie haben mehrere Länder ihre Devisenregulierungen liberalisiert, die Geldpolitik gestrafft und ihre Staatshaushalte konsolidiert, was wieder verstärkt ausländische Kapitalzuflüsse angezogen hat. Märkte wie Nigeria, Ägypten und Kasachstan werden für globale Investoren zunehmend zugänglich und relevant.

Die Triebkräfte des Wachstums

Über die Kapitalmärkte hinaus profitieren die Frontier-Volkswirtschaften von starken langfristigen Trends.

Die Demografie ist einer davon. In den nächsten zwei Jahrzehnten werden Hunderte Millionen Menschen in den Frontier Markets in den Arbeitsmarkt eintreten und damit das Konsum-, Investitions- und Produktivitätswachstum stützen. Diese sogenannte „demografische Dividende“ ist noch weitgehend ungenutzt.

Die Technologie ist ein weiterer. Im Jahr 2010 gab es weltweit nur 13 Millionen Mobile-Money-Konten, über die Nutzer Geld über ihre Handys verwalten und übertragen können. Bis 2024 war diese Zahl auf fast 800 Millionen gestiegen, wobei sich ein Großteil des Wachstums auf Subsahara-Afrika konzentrierte [2]. Die finanzielle Inklusion verbessert sich rasch, wodurch mehr Menschen in die formelle Wirtschaft integriert werden und die Entwicklung beschleunigt wird.

Auch natürliche Ressourcen spielen eine entscheidende Rolle. Frontier Markets haben einen bedeutenden Anteil an der weltweiten Produktion mehrerer wichtiger Rohstoffe. Gabun produziert fast ein Viertel der weltweiten Manganproduktion, Marokko rund ein Achtel des Phosphatgesteins und Nigeria und Ruanda liefern zusammen mehr als ein Drittel des Tantals – allesamt wesentliche Rohstoffe für Batterien, Düngemittel und digitale Technologien.

Gleichzeitig stützen die Bemühungen der Industrie- und Schwellenländer zur Diversifizierung der Energiequellen die Handelsbilanzen vieler Frontier Markets, stärken deren Außenbilanzlage und erhöhen ihre Widerstandskraft.

Unterschiedliche Renditeverläufe

Für Anleger führen diese strukturellen Veränderungen zu einem eigenständigen Renditeprofil. Staatsanleihen aus Frontier-Märkten erzielten in den letzten zehn Jahren annualisierte Renditen von 8,22 % und lagen damit in etwa auf dem Niveau von Schwellenländeraktien - jedoch bei deutlich geringerer Volatilität [3].

Diese Kombination spiegelt die Besonderheiten der Frontier-Märkte wider. Die Renditen werden oft weniger von globalen makroökonomischen Faktoren als vielmehr von länderspezifischen Entwicklungen wie Reformmaßnahmen, Rohstoffdynamiken oder politischen Veränderungen bestimmt.

Dies kann sowohl Chancen als auch Fehlbewertungen mit sich bringen. Länder, die sich in einer Reform- oder Erholungsphase befinden, können schnell neu bewertet werden, während andere, die unter Druck stehen, attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Anleger bieten können, die über das Fachwissen verfügen, den langfristigen Wert einzuschätzen.

Das jüngste Marktverhalten veranschaulicht diese Dynamik. Nach dem Ausverkauf im Zuge des „Liberation Day“ im Jahr 2025 erholten sich Frontier-Anleihen deutlich und erzielten im Laufe des Jahres 2025 eine Gesamtrendite von fast 20 % [4].

Risiken bleiben – aber der Fortschritt auch

Damit sollen die Risiken keineswegs heruntergespielt werden. Frontier Markets stehen nach wie vor vor Herausforderungen in Bezug auf Liquidität, Währungsvolatilität und Governance. In den letzten sechs Jahren sind 10 Länder bei ihren Auslandsschulden in Zahlungsverzug geraten - ein deutlicher Hinweis auf das weiterhin bestehende Stresspotenzial für Investoren.

Insbesondere die Liquidität bleibt ein entscheidendes Merkmal. Frontier Markets sind im Allgemeinen weniger liquide und werden weniger aktiv gehandelt als ihre Pendants in den Schwellenländern, was in volatilen Phasen zu höheren Spreads und stärkeren Kursschwankungen führt.

Gleichwohl zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung. Die Glaubwürdigkeit der Politik hat in vielen Ländern zugenommen und die Reaktionen auf Schocks werden orthodoxer. So entschied sich Ägypten nach Ausbruch des Konflikts im Iran dafür, seine Währung als Anpassungsmechanismus abwerten zu lassen, statt die Währungsreserven aufzubrauchen – ein Beispiel für einen disziplinierteren Ansatz.

Gleichzeitig verbessern sich die Haushalts- und Schuldenkennzahlen in mehreren Märkten. Angola ist ein deutliches Beispiel dafür: Die Schuldenquote des Landes ist in den letzten Jahren von Höchstständen während der Pandemie von rund 120 % auf etwa 50 % stark gesunken - unterstützt durch höhere Ölpreise und politische Reformen [5].

Abschließende Gedanken…

Anleihen aus Frontier Markets bleiben ein Spezialsegment und sind nicht für jeden Investor geeignet. Doch mit sich verbesserndem Marktzugang, zunehmender Tiefe der Lokalwährungsmärkte und steigenden Herausforderungen bei der globalen Diversifizierung wächst ihre Bedeutung.

Für diejenigen, die sich in dieser Komplexität zurechtfinden, liegt die Chance auf der Hand: ein Segment des Anleiheuniversums mit tatsächlich differenzierten Renditen, Zugang zu strukturellem Wachstumspotenzial und einem Risikoprofil, das zunehmend besser verstanden und besser gesteuert wird.

Diese Kombination macht Anleihen aus Frontier Markets immer weniger zu einer Nische und zunehmend zu einem logischen nächsten Schritt für Anleger in einem sich wandelnden Fixed-Income-Umfeld.


[1] Quelle: Bloomberg, 31. Dezember 2025.

[2] Quelle: Weltbank, Februar 2026.

[3] Quelle: J.P. Morgan, Januar 2026.

[4] Aberdeen Investments, Dezember 2025.

[5] Aberdeen Investments/IWF, 2026.

 

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