Insights
The Investment Outlook

House View: Investiert bleiben, diversifiziert sein

Ein widerstandsfähiger globaler Konjunkturzyklus begünstigt weiterhin eine kalkulierte Risikobereitschaft. Das weltweite Wachstum bleibt solide, die Inflation lässt nach und die Geldpolitik lockert sich allmählich – alles Faktoren, die die Vermögensmärkte trotz bestehender Risiken stützen.

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Dauer: 3 Minuten

Datum: 05. Feb. 2026

Unsere House View behält eine risikoorientierte Ausrichtung bei, mit den stärksten Überzeugungen in Schwellenländeraktien, Immobilien und Infrastruktur. Anleihen sollten helfen, zyklische Risiken zu diversifizieren, während ein neutraler US‑Dollar globale Carry Trades stützen kann.
  • Wir erwarten ein Jahr mit leicht überdurchschnittlichem globalem Wachstum (3,1 %). Das Wachstum in den USA dürfte mit 2,5 % stark ausfallen, unterstützt durch KI‑getriebene Investitionen, positive Vermögenseffekte durch den Aktienmarkt, fiskalische Lockerung und reduzierte Handelsunsicherheit. Die US‑Inflation könnte aufgrund verzögerter Tarifweitergabe vorübergehend steigen, aber der zugrunde liegende Preisdruck bleibt gedämpft und die Inflation sollte bis Jahresende wieder in Richtung des Zielwertes sinken.

  • Wir erwarten, dass die USNotenbank (Federal Reserve) die Zinsen für den Rest der Amtszeit von Chair Jerome Powell unverändert lässt und später im Jahr zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte vornimmt. Der designierte Vorsitzende Kevin Warsh gilt als glaubwürdige Wahl und entschärft einige der Befürchtungen einer politischen Einflussnahme auf die Zentralbank. Allerdings könnte er versuchen, den Einfluss der Fed am Markt für USStaatsanleihen zu verringern.

  • Politik und Geopolitik bleiben weltweit erhebliche Unsicherheitsfaktoren. Ein strukturell volatilere geopolitische Lage wird die Inflationsvolatilität erhöht halten und die Diversifikation durch Anleihen schwächen. Anleger müssen daher alternative Diversifikationsquellen finden. Dies wirft auch Fragen zur Allokation in dollarbasierte Vermögenswerte auf, da die USA Quelle eines großen Teils dieser Unsicherheit sind.

  • Das Basisszenario positiven globalen Wachstums wird durch fiskalische Lockerungen in Ländern wie den USA, Europa und Japan unterstützt. Nachlassende Inflation und fortgesetzte monetäre Lockerung in vielen Volkswirtschaften bieten ein konstruktives Umfeld für Risikoanlagen.

Unternehmensrisiken: positive Tendenz, besonders in EM

Die Unternehmensgewinne bleiben stark, insbesondere im Technologie- und Finanzsektor. Trotz jüngster Schwankungen befinden sich KI‑bezogene Aktien noch nicht in einer Blase: Das Gewinnwachstum bleibt robust, die Verschuldung großer Tech‑Unternehmen ist niedrig und die realen Anwendungsfälle verbreitern sich weiter.

Allerdings gehört eine mögliche KI‑Korrektur zu den wichtigsten Risiken, die wir beobachten. Aufgrund hoher Bewertungen für US‑Aktien bevorzugen wir Nicht‑US‑Märkte.

Tatsächlich bleiben Aktien aus Schwellenländern attraktiv – mit weiterhin moderaten Bewertungen, widerstandsfähigen Unternehmensgewinnen (insbesondere im Halbleiterbereich) und sich verbessernden technischen Marktbedingungen, da die Kapitalzuflüsse zurückkehren. Die wirtschaftliche Abkühlung in China erscheint beherrschbar, gestützt durch eine Lockerung der Wirtschaftspolitik sowie eine durch AI‑bezogene Themen aufgehellte Anlegerstimmung.

Globale Anleihen: Schutz vor nachfrageschwachen Schocks

Wir bleiben bei unserer positiven Einschätzung für Staatsanleihen. Die Möglichkeit einer Abschwächung des US‑Arbeitsmarktes und die Wahrscheinlichkeit weiterer Lockerungem unter dem nächsten Fed‑Vorsitzenden sollten diese Anlageklasse stützen. Zwar könnten die Renditen langfristiger Anleihen aufgrund fiskalischer Belastungen und höherer Laufzeitprämien erhöht bleiben, aber kurzfristige Laufzeiten sollten in einem Zinssenkungszyklus gut abschneiden.

Unterdessen bleibt EM‑Anleihen in Lokalwährung durch verbesserte makroökonomische Fundamentaldaten, eine geringere Nettoemission sowie weiterhin attraktive Carry‑Erträge unterstützt – auch wenn inzwischen ein größerer Teil des Zinssenkungszyklus hinter uns liegt als vor uns.

Dollar: neutral aufgrund gegensätzlicher Kräfte

Aus unserer Sicht wird sich der US‑Dollar voraussichtlich seitwärts bewegen. Der robuste US‑Wachstumsausblick dürfte den Dollar unterstützen. Und eine potenzielle Quelle für Dollarschwäche – eine politisierte Federal Reserve – scheint sich mit der Ernennung von Kevin Warsh abgeschwächt zu haben.“

Aber: Die USA bleiben die Hauptquelle politischer und geopolitischer Risiken. Deshalb erwarten wir weiterhin Kapitalabflüsse aus US‑Assets in attraktiv bewertete EM‑ und europäische Märkte. Unter dem Strich ergibt das ein neutrales Signal für den Dollar, was globale Carry Trades unterstützt.

Private Markets: positiv für Private Credit, Immobilien und Infrastruktur

  • Private Credit: Aufgestuft auf leicht positiv. Chancen sehen wir in hochwertigen, Investment‑Grade‑Anleihevergaben mit niedrigen Ausfallraten und hohen Rückgewinnungsquoten. Allerdings besteht im Direct Lending höheres Kreditrisiko.

  • Immobilien: Aufgestuft auf positiv. Die zyklische Erholung hat begonnen - gestützt durch bessere Fundamentaldaten- begrenztes neues Angebot und unterstützende Zinsdynamik. Bevorzugte Sektoren: Wohnungen, Büro, Industrie.

  • Infrastruktur: Bleibt positiv. Strukturelle Themen – darunter Digitalisierung, Dekarbonisierung und der Bedarf an privatem Kapital zur Ergänzung belasteter staatlicher Haushalte – bieten weiterhin langfristige Unterstützung.

Wesentliche Risiken

Wichtige Risiken umfassen:

  • eine Eskalation geopolitischer Spannungen, die Ölpreise steigen lässt und zu breiter Risikoaversion führt,
  • eine mögliche KI‑getriebene Aktienkorrektur mit Auswirkungen auf die Realwirtschaft,
  • erneute US‑Zollschocks,
  • Schwäche am US‑Arbeitsmarkt, die sich zu einem breiteren Abschwung entwickelt,
  • Risiken für die Unabhängigkeit der Fed, die die institutionelle Glaubwürdigkeit der USA untergraben könnten.

Es bestehen jedoch auch Aufwärtsrisiken durch einen starken, KIgetriebenen Produktivitätsschub. Unser Investmentansatz legt den Schwerpunkt auf Szenarioanalysen und Stresstests, um das Exposure gegenüber diesen Risiken zu verstehen, sowie auf Diversifikation, um auf diese Weise mögliche Rückgänge abzufedern.

Gesamtpositionierung

Unsere House View bleibt pro‑risikoorientiert, mit den stärksten Überzeugungen in EM‑Aktien, Infrastruktur und globalen Immobilien. Anleihen können eine wichtige Diversifikationsrolle gegen zyklische Risiken spielen, während die neutrale Dollar-Einschätzung globale Carry‑Chancen unterstützt. Insgesamt bleibt das makroökonomische Umfeld – robustes Wachstum, nachlassende Inflation und schrittweise Lockerung der Politik – förderlich für kalkulierte Risikoübernahme in Portfolios.

Tabelle1: Aberdeen House View: Februar 2026