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The WittAnleger sind zu pessimistisch, was japanische Staatsanleihen angeht
Der Advocatus Diaboli: Warum der Markt japanische Staatsanleihen möglicherweise zu pessimistisch einschätzt
Autor
Alex Everett
Investment Director, Fixed Income
Duration: 3 Minuten
Datum: 20. Aug. 2026
Die Renditen für 30-jährige Anleihen liegen bei fast 4 %. Die Renditen für 10-jährige Anleihen nähern sich der 3-Prozent-Marke. Bis hierhin nichts Ungewöhnliches – außer dass ich von japanischen Staatsanleihen (JGBs) spreche.
Die Renditen japanischer Staatsanleihen liegen auf einem Niveau, das viele Anleger in ihrer gesamten Karriere noch nie gesehen haben
Jahrelang beklagten sich Anleger darüber, dass JGBs weder Erträge noch Kapitalerträge bieten würden. Nun liegen die Renditen japanischer Staatsanleihen auf einem Niveau, das viele Anleger in ihrer gesamten Karriere noch nie gesehen haben – und dennoch herrscht nach wie vor große Vorsicht.
Ich halte diesen Pessimismus für übertrieben.
Ich kann die Bedenken nachvollziehen. Japan hat eine der höchsten Schuldenlasten der Industrieländer. Die Regierung unter Premierministerin Takaichi will in Wachstum investieren. Die Bank of Japan zieht sich langsam aus dem Anleihemarkt zurück, den sie jahrelang dominiert hat, und erhöht gleichzeitig die Zinsen. Oberflächlich betrachtet deutet das auf höhere Renditen hin.
Aber was, wenn die Anleger auf den falschen Teil der Bilanz schauen?
Japan ist nicht nur ein hoch verschuldetes Land. Es ist einer der weltweit größten Netto-Gläubiger im Ausland. Japanische Inlandsinvestoren haben einen enormen Bestand an Auslandsvermögen angehäuft, der bald im eigenen Land besser genutzt werden könnte. Das ist wichtiger, als die Märkte erkennen.
Ein Wandel ist bereits im Gange. Die Politik ermutigt Pensionsfonds und private Haushalte, mehr im Inland zu investieren. Wenn dies gelingt, könnte dies inländische Vermögenswerte, das Wachstum und sogar den unter Druck stehenden Yen stützen. Ein positiver Kreislauf – vorausgesetzt, den Worten folgen Taten.
Das ist keine finanzielle Repression
Es ist lediglich gesunder Menschenverstand (und vielleicht könnte sich Großbritannien daran ein Beispiel nehmen!). Nach Bereinigung um Währungseffekte erscheinen die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) im Vergleich zu vielen Alternativen aus den Industrieländern zunehmend wettbewerbsfähig. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall. Können japanische Anleger es rechtfertigen, Kapital auf der Suche nach Rendite ins Ausland zu schicken, wenn sie im eigenen Land deutlich mehr verdienen könnten?
Der Renditevorteil ist von Bedeutung, da es bei japanischen Staatsanleihen mittlerweile um Angebot und Nachfrage geht. Die Bank of Japan kauft weniger Anleihen, und das Neuemissionsvolumen bleibt beträchtlich. Entscheidend ist nun, wer diese Lücke füllt. Inländische Anleger müssen ihre Portfolios nicht grundlegend umstellen. Schon eine moderate Rückverlagerung in japanische Vermögenswerte könnte die Renditen japanischer Staatsanleihen nach unten drücken.
Wie sieht es mit der Regierung Takaichi aus?
Anleiheinvestoren haben sich verständlicherweise auf die Risiken konzentriert: potenziell ungedeckte Ausgaben, politischer Druck auf die Bank of Japan und Bedenken hinsichtlich der Haushaltsdisziplin. Diese Risiken sind real. Doch jüngste Äußerungen von Takaichi, Katayama und anderen deuten darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger sie erkennen.
Japans Führung weiß, dass der Anleihemarkt aufmerksam beobachtet. Die Renditen haben bereits gezeigt, was passiert, wenn Anleger die Haushaltsdisziplin in Frage stellen. Von nun an hängt viel vom Policy-Mix ab. Takaichis Agenda mag durchaus expansiver sein, sie ist jedoch auf Investitionen, Produktivität und die Mobilisierung inländischen Kapitals ausgerichtet und nicht auf eine einfach unbegrenzte Lockerung der Finanzpolitik. Bei guter Umsetzung könnte dies die Schuldendynamik verbessern, anstatt sie zu untergraben.
Man sollte sich jedoch keine Illusionen machen: Die Volatilität der Renditen japanischer Staatsanleihen hat in letzter Zeit zugenommen. Dies spiegelt sowohl die innenpolitische Unsicherheit als auch das globale Zinsumfeld wider. Die Outperformance dürfte ungleichmäßig ausfallen. Dennoch brauchen Anleger keine Perfektion, damit sich japanische Staatsanleihen von hier aus gut entwickeln. Sie brauchen lediglich Ergebnisse, die weniger alarmierend sind, als die Märkte erwarten.
Deshalb halte ich die aktuelle Chance für so überzeugend. Der Konsens sieht Japan als ein weiteres fiskalisches Problem, das nur darauf wartet, auszubrechen. Ich halte dieses Risiko für überbewertet. Darüber hinaus werden Anleger in japanische Staatsanleihen zum ersten Mal seit einer Generation dafür belohnt, abzuwarten, während einer der weltweit größten Pools an ausländischem Vermögen dazu ermutigt wird, ins Heimatland zurückzukehren. Das ist ein weitaus attraktiveres Umfeld für japanische Staatsanleihen, als es die aktuellen Marktpreise vermuten lassen.
Über den Autor
Alex Everett
Alex is an Investment Director in the Fixed Income team. Sein besonderes Interesse gilt der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Regulierung sowie der Frage, wie diese Kräfte letztendlich die Marktentwicklungen beeinflussen.
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