Insights
Fixed Income

Vor Ort in der Mongolei: Ein Frontier Market auf der Überholspur

Ein Einblick aus erster Hand in die Chancen und Herausforderungen eines der dynamischsten Frontier Markets Asiens.

Autor
Investment Manager, Fixed Income - Asia
Stylised image of Ulaanbaatar (capital of Mongolia)

Duration: 5 Minuten

Datum: 22. Sept. 2026

Mit nur 10 °C im Juni präsentierte sich Ulaanbaatar für mich, der direkt für eine Research-Reise aus Hongkong kam, überraschend kühl. Die niedrigen Temperaturen waren jedoch schnell vergessen: Regierungsvertreter, Banken und Unternehmen hießen uns mit bemerkenswerter Gastfreundschaft willkommen.

Bei meinen Treffen kristallisierte sich ein gemeinsames Thema heraus: Die Mongolei ist aktiv bestrebt, ihren Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu erweitern. 

Die wachsende Attraktivität der Mongolei für internationale Investoren

Die Mongolei wird als Frontier Market, auch als sogenannte „Pre-Emerging“-Volkswirtschaft, eingestuft, was ihr hohes Wachstumspotenzial widerspiegelt, aber auch die erhöhten Risiken, die ein gründliches Research unerlässlich machen.

Das Land verzeichnete in den letzten drei Jahren eine robuste wirtschaftliche Entwicklung, die durch ein starkes, rohstoffgetriebenes Exportwachstum gestützt wurde. Damit einher ging ein Anstieg der Emissionen von US-Dollar-Anleihen durch mongolische Emittenten.

Vor diesem Hintergrund war es der richtige Zeitpunkt, im „Land des ewig blauen Himmels“ zu sein, um persönlich mit Anleiheemittenten zu sprechen, aus erster Hand zu beobachten, wie sich die Wirtschaft verändert, und zu verstehen, wo Unternehmen ihre Schwerpunkte für zukünftiges Wachstum setzen.

Die Dynamik im Finanzsektor bleibt stark

Wir trafen uns mit sechs Geschäftsbanken, um uns ein Bild vom Finanzsystem des Landes zu machen. Die Kreditvergabe der Banken ist in den letzten zwei Jahren, angetrieben durch das Wirtschaftswachstum, deutlich gestiegen. Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsrate im Jahr 2026 weiterhin im mittleren Zehnerbereich liegen wird, wenn auch etwas niedriger als zuvor.

Der Schwerpunkt der Kreditvergabe hat sich auf kleine und mittlere Unternehmen verlagert, die trotz ihrer Bedeutung für die Wirtschaft in der Vergangenheit unter einem überproportionalen Mangel an Zugang zu Bankfinanzierungen litten und nun einem steigenden Finanzierungsbedarf gegenüberstehen, um die wachsende Inlandsnachfrage zu decken.

Wir fanden es ermutigend zu sehen, dass große mongolische Banken Partnerschaften mit internationalen Finanzinstituten eingehen, um die Finanzierungslücke zu schließen - insbesondere im Bereich der nachhaltigen Kreditvergabe.

Die Digitalisierung war ein immer wiederkehrendes Thema, das von den Banken als zentrales Etwicklungsfeld genannt wurde, das alle Vertriebskanäle – Filialen, Mobile Banking und Online-Transaktionen – umfasst. Wir glauben, dass diese digitale Transformation den mongolischen Banken helfen wird, ihre Betriebskosten zu senken und gleichzeitig die Produktivität sowie das Kundenerlebnis zu verbessern.

Der Großteil der notleidenden Kredite scheint weiterhin relativ gut unter Kontrolle zu sein. Es war beruhigend zu hören, dass die meisten Geschäftsbanken aktive Maßnahmen ergriffen haben, um die risikoreichen Segmente ihrer Kreditportfolios zu steuern. Flankiert werden diese Maßnahmen durch strengere regulatorische Vorgaben, die auf eine Eindämmung einer übermäßigen Kreditvergabe an Privatkunden abzielen.

Infrastruktur und Energie bleiben entscheidende Prioritäten

Die Wachstumsambitionen der Mongolei lassen sich ohne den Ausbau der Infrastruktur nicht verwirklichen – oder, wie es ein lokales Unternehmen ausdrückte: „In der Mongolei beginnt fast jeder Projektvorschlag mit einem Energieprojekt.“ Eine treffende Erinnerung daran, dass es sich um ein Land mit einem riesigen Staatsgebiet und einer geringen Bevölkerungsdichte handelt.

Die mongolische Regierung hat die Energiesicherheit als eine ihrer entscheidenden Herausforderungen identifiziert und ist entschlossen, diese anzugehen. 

„In der Mongolei beginnt fast jeder Projektvorschlag mit einem Energieprojekt.“

Ein genauerer Blick auf die Energiewende in der Mongolei

Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch eines Kraftwerksprojekts, das nur wenige Autostunden von Ulaanbaatar entfernt liegt und im Rahmen eines langfristigen Stromabnahmevertrags mit der Regierung betrieben wird.

Die Mongolei steht vor einer kritischen Energieknappheit, die durch den steigenden Verbrauch und die veraltete Infrastruktur aus der Sowjetzeit verursacht wird. Nichts verdeutlichte dies besser als die beiden Stromausfälle, die wir während unseres Aufenthalts im Juni in unserem Hotel erlebten – und das lange vor dem Anstieg des Strombedarfs im Winter.

Wir besichtigten den ersten, bereits abgeschlossenen Bauabschnitt des Projekts, um uns ein eigenes Bild vom laufenden Betrieb zu machen. Wir sahen die Turbinenhalle und den Kontrollraum – das Herz und das Gehirn des Kraftwerks, in denen der Strom erzeugt wird. Außerdem begutachteten wir die chemischen Wasseraufbereitungsanlagen und die umliegende Infrastruktur – die Arme und Beine, die das Kraftwerk am Laufen halten.

Das Kraftwerk entstand im Rahmen einer bilateralen Zusammenarbeit zwischen der Mongolei und China, wobei wichtige chinesische Akteure sowohl am Bau als auch am täglichen Betrieb beteiligt waren.

Anschließend besuchten wir den zweiten Bauabschnitt, der derzeit noch errichtet wird. Unsere Gespräche mit dem lokalen Bauteam bestätigten, dass das Projekt planmäßig verläuft und zwischen 2027 und 2028 fertiggestellt werden soll.

Der erste Abschnitt wurde 2025 in Betrieb genommen, kann jedoch den steigenden Energiebedarf von Ulaanbaatar nicht vollständig decken. Nach vollständiger Fertigstellung soll das Projekt voraussichtlich mehr als ein Drittel des Energiebedarfs der Hauptstadt decken – ein entscheidender Schritt zur Schließung der Energieversorgungslücke in der Mongolei. 

Auswirkungen auf die Anlagepolitik

Wir bleiben hinsichtlich der rohstoffgetriebenen Wachstumsaussichten der Mongolei auf kurze Sicht optimistisch. Da lokale Unternehmen unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Branchen bestrebt sind, ihren Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu verbessern, gehen wir davon aus, dass mongolische Emittenten weiterhin aktiv Dollar-Anleihen begeben und einen größeren Anteil am asiatischen Kreditmarkt einnehmen werden. 

Aus Allokationssicht bevorzugen wir Emittenten in strategisch wichtigen Sektoren, die maßgeblich am Wachstum der Mongolei partizipieren.

Der Wert von Research vor Ort

Direkte Gespräche und Besuche vor Ort sind für Investments in Emerging und Frontier Markets von unschätzbarem Wert, da sie Einblicke und detaillierte Informationen liefern, die kein Telefonat und kein Videogespräch bieten kann. Auf dieser Reise konnten wir das Wachstumspotenzial der Mongolei hautnah erleben. Und so wie das sich rasant entwickelnde Eisenbahnnetz des Landes befindet sich auch die Mongolei als Frontier Market auf der Überholspur.

Nächste Schritte

Angebotene Optionen

Wir bieten Anlageexpertise in allen wichtigen Anlageklassen, Regionen und Märkten, damit unsere Kunden Anlagepotenziale nutzen können, wo immer sie sich ergeben.