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Der Investment-AusblickMakro: 8 Themen, die die Investmentlandschaft im Jahr 2026 bestimmen werden
Eine sich stärkende US Wirtschaft, sich verschiebende geopolitische Strömungen und divergierende geldpolitische Maßnahmen prägen den Ausblick. Diese Kräfte zu verstehen, wird entscheidend sein für Anleger, die sich in einer fragmentierteren, schnelllebigen Welt zurechtfinden müssen.
Autor
Paul Diggle
Chief Economist

Dauer: 5 Minuten
Datum: 03. Feb. 2026
Der globale Zyklus befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt. Wirtschaftliche Resilienz steht im Kontrast zu geopolitischer und politischer Unsicherheit – und diese Divergenz wird für Portfolios relevant sein.
Das kommende Jahr bringt eine Mischung aus Chancen und Fragilität: stärkeres US‑Wachstum trotz schwachem Arbeitsmarkt, ein Führungswechsel bei der Federal Reserve, geopolitische Unsicherheit inmitten eines selbstbewussteren US‑Auftretens auf der westlichen Hemisphäre, ein fragiler Inflationspfad für China und Druck auf die Anleihemärkte in Japan. Gleichzeitig übertreffen Schwellenländer weiterhin die Erwartungen, selbst wenn geopolitische Risiken zunehmen.
Vor diesem Hintergrund bieten acht Themen eine Orientierungshilfe zum Verständnis der makroökonomischen Kräfte, die dieses Jahr prägen werden.
US‑Wachstum und Arbeitsmarkt: Vorwärts, aber ungleichmäßig
Wir prognostizieren, dass die US‑Wirtschaft in diesem Jahr um 2,5 % wachsen wird – über den Konsenserwartungen –, getrieben von KI‑Investitionen, fiskalischer Lockerung und geringerer Tarifunsicherheit.
Der Arbeitsmarkt hingegen hinkt hinterher, teilweise aufgrund früherer, zollbedingter Vorsicht der Unternehmen und der kapitalintensiven Natur von KI‑Investitionen.
Wir erwarten in diesem Jahr eher eine Stabilisierung als eine Beschleunigung der Beschäftigungsentwicklung. Die Arbeitslosenquote dürfte bis zum Jahresende von rund 4,5 % auf 4,2 % sinken – eine allmähliche Verbesserung, die zu einem reiferen Konjunkturzyklus passt.
Führung der Federal Reserve: Neukalibrierung oder Regimewechsel?
Kevin Warsh wird später im Jahr 2026 den Vorsitz der Fed übernehmen. Warsh ist eine glaubwürdige Wahl und bringt Erfahrung aus der Zeit der Finanzkrise mit.Er vertritt jedoch klare Vorstellungen davon, den Einfluss der Zentralbank zu verringern, einschließlich einer Reduzierung ihrer Bilanzsumme. Würde dieser Prozess zu schnell umgesetzt, könnte dies die Märkte beeinträchtigen.
Unser Basisszenario bleibt bei zwei weiteren Zinssenkungen später im Jahr, was einen taubenhaften, aber glaubwürdigen Politikansatz des neuen Vorsitzenden widerspiegelt.
Tiefere Zinssenkungen könnten jedoch Fragen über politischen Einfluss oder Inflationsdynamik aufwerfen – Risiken, die Anleger genau beobachten müssen.
Die „Donroe Doctrine“: ein selbstbewussteres US‑Auftreten in der westlichen Hemisphäre
Präsident Donald Trump hat die „Monroe‑Doktrin“ neu belebt und verfolgt einen selbstbewussteren Ansatz bei der Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer US‑Interessen in der eigenen „Nachbarschaft“. Dies zeigt sich in der Intervention in Venezuela und dem Versuch, Kontrolle über Grönland zu gewinnen.
Unterdessen bereitet sich Mexiko auf eine wichtige Begutachtung des regionalen USMCA‑Handelsabkommens mit den USA vor. Wir erwarten, dass das Abkommen bestehen bleibt, aber häufigere Überprüfungen werden die politische Unsicherheit hoch halten.
Auch bei Brasiliens Präsidentschaftswahl im Oktober könnten die USA eine Rolle spielen – mit Auswirkungen auf den fiskalpolitischen Kurs des Landes. Zudem verstärken auch die Wahlen in Peru und Kolumbien die politische Unsicherheit in der Region.
Alles in allem sollten Anleger damit rechnen, dass die USA eine Quelle geopolitischer Volatilität in der Region und weltweit sein werden, selbst wenn extremere Szenarien nicht eintreten.
Superwahljahr: Politische Volatilität auf beiden Seiten des Atlantiks
Die USA stehen vor wichtigen Midterm‑Wahlen im November, wobei Lebenshaltungskosten die Wählerstimmung prägen und das Kräfteverhältnis im Repräsentantenhaus in beide Richtungen ausschlagen könnte. Sollte Präsident Trump die republikanische Kontrolle verlieren, könnte er seine Außenpolitik verschärfen.
Im Vereinigten Königreich steht die Stabilität der Labour‑Regierung in Frage, da die Kommunalwahlen nach einem starken Rückgang der Wählerunterstützung vermutlich zu einem entscheidenden Test werden. Ein Führungswechsel könnte einen anderen fiskalpolitischen Ansatz mit sich bringen, der die Märkte für Staatsanleihen beeinflussen könnte.
Für Anleger ist 2026 eine Erinnerung daran, dass politische Richtungen sich schnell ändern können – und Politik eine zentrale Quelle makroökonomischer Unsicherheit bleibt.
KI‑Euphorie: berechtigter Optimismus oder aufkommendes Blasenrisiko?
Aktien mit Bezug zur KI‑Thematik haben außergewöhnliche Gewinne erzielt, werden jedoch zunehmend volatiler. Einige Bewertungskennzahlen erinnern an die frühen 2000er‑Jahre, doch starke Gewinnerwartungen und die schnelle Einführung von KI in der Realwirtschaft sprechen weiterhin für Unterstützung.
Unser Basisszenario sieht KI als Wachstumstreiber für die USA – sowohl über Investitionen als auch über Vermögenseffekte.
Das Risikoszenario hingegen – eine scharfe Korrektur KI‑bezogener Assets – könnte zu strafferen Finanzbedingungen und einer leichten US‑Rezession führen. Dieses Risiko bleibt ein wesentlicher Bestandteil von Portfolio‑Stresstests.
Chinas Niedriginflationsherausforderung: hartnäckiger als erwartet
China befindet sich im dritten Jahr nahezu nuller Inflation und anhaltender Schwäche der Erzeugerpreise. Die politischen Entscheidungsträger wollen Überkapazitäten in Sektoren wie der Automobil‑ und Solarindustrie abbauen, doch die strukturellen Kräfte, die auf dem Preiswachstum lasten, bleiben stark.
Lokale Regierungen könnten sich dagegen sträuben, schwächere Firmen scheitern zu lassen. Zudem sind die Inflationserwartungen nach langer Flaute gesunken.
Daher dürfte die schwache Inflation anhalten – mit wichtigen Folgen für globale Güterpreise und Wettbewerbsdruck.
Emerging Markets ex‑China: Hält die Resilienz an?
Schwellenländer überraschten Anleger letztes Jahr positiv, unterstützt durch fallende Inflation, stabile Handelsaktivität und breite monetäre Lockerung.
Dieses Momentum könnte anhalten – durch weitere Zinssenkungen, fiskalische Maßnahmen vor Wahlen und verbesserte globale Finanzbedingungen.
Doch Risiken bestehen fort: von Zollrisiken bis zu politischen Spannungen in Asien und Mitteleuropa. Besonders positiv bleiben wir für Indien, wo Reformen und Stimmung unterstützend wirken.
Japans politischer Neustart: frühe Hoffnung, reale Grenzen
Japan beginnt das Jahr unter der Führung seiner ersten weiblichen Premierministerin, Sanae Takaichi. Die jüngste Neuwahl brachte ihr eine parlamentarische „Supermehrheit“, die erhebliche gesetzgeberische und sogar verfassungsrechtliche Änderungen ermöglichen könnte.
Die Märkte erwarten eine entschlossenere Wiederbelebung einer wachstumsfreundlichen Politik. Doch ein sensibler Anleihemarkt und Währungsdruck könnten den Umfang fiskalischer Expansion begrenzen.
Wir erwarten allmähliche Zinserhöhungen der Bank of Japan in diesem Jahr sowie eine fiskalische Ausrichtung auf Wachstum durch Technologie, Halbleiter und Verteidigung. Handelsspannungen mit China bleiben ein wesentliches Risiko.




