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Festverzinsliche AnlagenHochzinsanleihen: Eine günstige Gelegenheit für ertragsorientierte Anleger?
Hochzinsanleihen bieten einen attraktiven Einstieg für Anleger auf der Suche nach laufenden Erträgen.
Autor
Adam Dmochowski
Senior Investment Specialist, Aberdeen Investments

Dauer: 5 Minuten
Datum: 02. Apr. 2026
Die jüngsten geopolitischen Spannungen, insbesondere der Krieg im Iran, haben den Märkten erneut vor Augen geführt, dass die Volatilität der Zinssätze ein zentrales Risiko darstellt.
Zwar gehen wir weiterhin davon aus, dass die Zinsen in den nächsten Jahren sinken werden, doch könnte der aktuelle Konflikt im Nahen Osten dies verzögern. Dennoch bieten Hochzinsanleihen (High-Yield, HY) nach wie vor einen guten Einstiegspunkt für Anleger, deren Fokus auf Erträgen und langfristigem Kapitalzuwachs liegt.
Strategien mit kurzer Duration reagieren weniger empfindlich auf Zinsänderungen und haben dazu beigetragen, Portfolios vor Marktschwankungen zu schützen. In den letzten Wochen haben HY-Anleihen dank ihrer höheren Erträge und ihrer kurzen Duration, die sie weniger empfindlich gegenüber Änderungen der Zinserwartungen macht, ihre Investment-Grade-Pendants übertroffen.
Diese Kombination aus soliden Fundamentaldaten der Unternehmen und ungewöhnlich attraktiven Renditen macht HY-Anleihen in der heutigen turbulenten Welt zu einer attraktiven Option. Für Anleger, die bereit sind, das Risikospektrum in Maßen zu erweitern, bietet diese Anlageklasse ein größeres Ertragspotenzial als Cash oder Staatsanleihen, ohne dabei die volle Volatilität von Aktien in Kauf nehmen zu müssen.
Warum Hochzinsanleihen heute hervorstechen
Einer der Hauptgründe, warum Anleger sich wieder für Hochzinsanleihen interessieren, ist einfach: Die Erträge sind zurück. Die Renditen globaler Hochzinsanleihen liegen derzeit bei über 6,5 %. Es zeigt sich, dass sich bei einem derart hohen Ausgangsniveau der Renditen die nachfolgenden Erträge tendenziell positiv entwickeln.
Was macht dieses Muster so beständig? Im Gegensatz zu vielen anderen Anlageklassen sind bei Hochzinsanleihen die Erträge – insbesondere Kuponerträge – der dominierende Treiber der Gesamtrenditen. In den letzten 20 Jahren machten Kuponerträge mehr als 100 %* der weltweiten Gesamtrenditen von Hochzinsanleihen aus. Andere Faktoren, wie beispielsweise Kreditspreads, haben in volatilen Phasen zeitweise die Performance geschmälert.
Dies bedeutet, dass Hochzinsanleihen gut positioniert sein könnten, um selbst in turbulenten Märkten stabile Gesamtrenditen zu erzielen. Im Gegensatz dazu bieten Geldmarktfonds und Staatsanleihen zwar Stabilität, aber nur begrenztes Aufwärtspotenzial. Ihre Renditen könnten erheblich sinken, sobald die Zentralbanken mit der Lockerung ihrer Geldpolitik beginnen.
* Da die Kurse manchmal fallen, übernehmen letztendlich die Erträge die gesamte Last, was bedeutet, dass mehr als 100 % der Endrendite aus Kupons stammen können.
Vergleich von Hochzinsanleihen mit Aktien: Die Korrelation verstehen
Eine häufig gestellte Frage von Anlegern lautet: Wie verhalten sich HY-Anleihen im Vergleich zu Aktien? Da es sich bei den Emittenten von HY-Anleihen um Unternehmen mit niedrigerem Rating handelt, weisen ihre Anleihen durchaus eine gewisse Korrelation mit den Aktienmärkten auf - insbesondere in Phasen starker Risikoaversion. Diese Beziehung ist jedoch keineswegs linear.
HY-Anleihen weisen in der Regel eine geringere Volatilität auf als Aktien, was vor allem auf ihr kupongesteuertes Renditeprofil zurückzuführen ist. Selbst wenn die Anleihekurse fallen, fallen weiterhin laufende Erträge an, die kurzfristige Marktschwankungen für Anleger abfedern können. HY-Anleihen haben zudem eine kürzere Duration, oft etwa drei bis vier Jahre, was die Sensitivität gegenüber Zinsbewegungen begrenzt und dazu beiträgt, die Gesamtvolatilität des Portfolios zu verringern.
In der Praxis liegen Hochzinsanleihen auf dem Risiko-Rendite-Spektrum tendenziell zwischen Aktien und Investment-Grade-Anleihen und bieten damit eine ausgewogenere Möglichkeit, an unternehmensbezogenen Erträgen zu partizipieren, ohne ein volles Aktienengagement einzugehen.
Ein günstiges Umfeld: Fundamentaldaten und Ausfallrisiken
Die starken Fundamentaldaten der Unternehmen stärken zudem das Vertrauen in die heutigen High Yield-Märkte. Mehrere Indikatoren deuten auf ein stabileres, gesünderes Umfeld hin als in früheren Zyklen:
Die Ausfallraten dürften mit 1,5 bis 3 % weiterhin niedrig bleiben und unter den langfristigen Durchschnittswerten liegen.
Die meisten anstehenden Refinanzierungen betreffen Unternehmen mit höherer Bonität (BB-Rating), die in der Regel über eine solidere Finanzlage verfügen und leichter Zugang zu Finanzmitteln haben.
Die allgemeine Kreditqualität an den Hochzinsmärkten ist höher als in vielen vergangenen Perioden, was zum Teil auf jahrelange disziplinierte Refinanzierung und Bilanzsanierung zurückzuführen ist.
Zusammen schaffen diese Faktoren ein Umfeld, in dem Anleger attraktive Renditen erzielen können, ohne dass das Ausfallrisiko stark ansteigt.
Wo Anleger potenziell Mehrwert schaffen können: Qualität, Ertrag, Diversifizierung
Der Hochzinsmarkt selbst ist zwar attraktiv, doch bestimmte Ansätze machen die Anlagechance noch überzeugender. Drei Prinzipien stechen dabei besonders hervor:
1. Fokus auf zuverlässige Kuponerträge
Da die Kuponrenditen die langfristigen Renditen von Hochzinsanleihen bestimmen, haben Strategien, die stabile, hohe Kupons in den Vordergrund stellen – anstatt kurzfristige Kursbewegungen prognostizieren zu wollen –, in der Vergangenheit konsistentere Ergebnisse erzielt. Über zwei Jahrzehnte hinweg machten Kuponrenditen den Großteil der Gesamtrenditen aus, während spreadbezogene Volatilität die Performance oft beeinträchtige.
2. Kombination von Engagements in Industrieländern und Schwellenländern
Die globalen Hochzinsmärkte sind nicht einheitlich. Hochzinsanleihen aus Schwellenländern (EM) bieten beispielsweise oft höhere Durchschnittsrenditen sowie eine höhere durchschnittliche Bonität als einige Hochzinssegmente der Industrieländer. Durch die Kombination von Engagements in Industrieländern und Schwellenländern erhalten Anleger Zugang zu einem breiteren Spektrum an Chancen und können potenziell ihre Diversifizierung verbessern, wodurch die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmenssektor oder einer Region verringert wird.
3. Disziplin bei der Bonität wahren
Der Hochzinsbereich deckt ein breites Spektrum ab. Von relativ stabilen Anleihen mit BB-Rating bis hin zu risikoreicheren Emittenten mit CCC-Rating. Die Fokussierung auf das qualitativ hochwertigere Ende des Marktes bei gleichzeitiger Nutzung hoher Kupons kann dazu beitragen, Ertrag und Widerstandsfähigkeit in Einklang zu bringen, indem das ausfallanfällige untere Ende des Marktes vermieden wird.
Hochzinsanleihen versus risikoarme Alternativen: Was ist der Kompromiss?
Zwar sind Bargeld und Staatsanleihen wesentliche Bausteine vieler Portfolios, doch hängt ihre Attraktivität stark vom Zinsniveau ab. Da die Märkte Zinssenkungen erwarten, könnten sich die derzeit hohen Renditen von Bargeld und Staatsanleihen als vorübergehend erweisen.
Hochzinsanleihen bieten dagegen:
Höhere Ausgangsrenditen
Historisch überzeigende künftige Renditen, wenn die Renditen von einem ähnlichen Niveau wie heute starten
Geringere Sensitivität gegenüber Zinsänderungen
Ein bedeutendes Ertragspolster, das dazu beitragen kann, Volatilität abzufedern
Für Anleger, die ihr Einkommen unter sich ändernden Bedingungen absichern und steigern möchten, ist diese Ausgewogenheit zunehmend eine Überlegung wert.
Was bedeutet das für Anleger?
Hochzinsanleihen sind nicht risikofrei. Doch die derzeit ungewöhnlich attraktiven Ausgangsrenditen, kombiniert mit soliden Fundamentaldaten der Unternehmen und historisch niedrigen Ausfallerwartungen, schaffen einen der günstigsten Einstiegspunkte seit Jahren.
Für ertragsorientierte Anleger, die über Cash und Staatsanleihen hinausblicken – und für diejenigen, die ein Engagement in Unternehmensanleihen ohne die volle Volatilität von Aktien anstreben –, könnten Hochzinsanleihen einen überzeugenden Mittelweg bieten. Ansätze, die Wert auf stabile Kuponerträge, globale Diversifizierung und eine disziplinierte Kreditauswahl legen, sind für das aktuelle Umfeld nach wie vor gut geeignet.
Alle genannten Daten stammen von Aberdeen Investments und beziehen sich auf den Stand vom 31. Dezember 2025.




