Insights
Festverzinsliche AnlagenAnleihemärkte im Jahr 2026: Themen, die man im Auge behalten sollte.
Entdecken Sie, wie die Verbesserung der Rahmenbedingungen das Jahr für Anleiheinvestoren entscheidend prägen könnte.
Autor
Peter Marsland
Investment Specialist

Dauer: 5 Minuten
Datum: 16. Jan. 2026
Viele Anleger fragen sich, was das Jahr 2026 für die Anleihemärkte bereithalten könnte. Wird es endlich ein vorhersehbareres, einkommensorientiertes Jahr? Oder sollten Anleger weiterhin mit Überraschungen rechnen?
Die Realität ist ausgewogener als sie es seit langem war. Das Wachstum wirkt stabil, die Inflation lässt nach und die Zinsen dürften whrscheinlich sinken – all dies trägt zu einem gesünderen Umfeld für festverzinsliche Anlagen bei. Angesichts der nach wie vor hohen Staatsdefizite und der allgegenwärtigen geopolitischen Risiken ist jedoch auch dieses Jahr keines, in dem man sich selbstzufrieden zurücklehnen kann.
Im Folgenden analysieren wir die wichtigsten Themen, die die Anleihemärkte 2026 prägen könnten, und was sie für Anleger bedeuten könnten.
Eine stabile Weltwirtschaft – aber im Spätzyklus-Bereich
Die Weltwirtschaft dürfte weiterhin in moderatem Tempo wachsen. Mehrere Faktoren unterstützen dies:
Die Vermögenspreise waren robust und stützen das Verbrauchervertrauen.
Die Handelsspannungen haben nachgelassen, was eine der großen Unsicherheitsquellen der letzten Jahre reduziert hat.
Die Staatsausgaben bleiben hoch, insbesondere in Bereichen wie Infrastruktur, Verteidigung und Technologie.
Unternehmen investieren weiterhin, insbesondere in künstliche Intelligenz und Automatisierung.
Diese Kombination versetzt die meisten großen Volkswirtschaften fest in die 'Spätzyklusphase', in der das Wachstum zwar langsamer wird, aber nicht zum Stillstand kommt. Historisch betrachtet war dies ein konstruktives Umfeld für viele Arten von Anleihen, insbesondere für Unternehmensanleihen.
Die Inflation in Europa liegt nun nahe an den Zielvorgaben der Zentralbank. In den USA und Großbritannien liegt sie zwar immer noch über dem Ziel, tendiert aber nach unten. Wenn dies so weitergeht, gibt es den Zentralbanken Spielraum, die Zinsen 2026 weiter zu senken. Gleichzeitig scheinen die Rezessionsrisiken geringer zu sein, als viele vor einem Jahr befürchteten.
Zusammengenommen schafft dies einen günstigeres Umfeld für festverzinsliche Anleihen, als es Anleger seit mehreren Jahren erlebt haben.
Staatsanleihen: Sie sind zurück?
Während eines Großteils des vergangenen Jahrzehnts waren die Renditen von Staatsanleihen wie deutsche Bundesanleihen, US Treasuries und UK Gilts extrem niedrig. Heute sind sie deutlich höher – und zum ersten Mal seit Jahren können Anleger mit einer Anlageklasse, die traditionell als risikoärmer gilt, angemessene Erträge erzielen.
Das ist eine bedeutende Veränderung. Hochwertige Staatsanleihen können wieder ihre traditionelle Rolle als Stabilisator im Portfolio einnehmen. Wenn die Märkte unruhig werden oder das Wachstum enttäuscht, können sie wertvollen Abwärtsschutz bieten.
Obwohl Zinssenkungen wahrscheinlich sind, wird erwartet, dass die Zentralbanken die Zinsen nicht aggressiv senken werden - es sei denn, die wirtschaftliche Prognose würde sich stark abschwächen. Das bedeutet, dass sich die Renditen von Staatsanleihen im Laufe des Jahres wahrscheinlich innerhalb einer relativ engen Spanne bewegen werden. Anleger könnten davon profitieren, ein gewisses Zinsengagement beizubehalten, doch große Wetten in die ein odre andere Richtungen dürften sich nicht auszahlen.
Es wird auch regionale Unterschiede geben. In Europa könnten politische Unsicherheit und Debatten über fiskalische Haushaltsregeln zu größeren Leistungsunterschieden zwischen den Ländern führen. In den USA richten Anleger ihren Blick auf das hohe Volumen neuer Staatsanleihe-Emissionen sowie die Ernennung eines neuen Vorsitzenden der Federal Reserve im Mai – beides könnte die langfristigen Anleihe-Rendite beeinflussen.
Unternehmensanleihen: Qualität zählt mehr denn je
Die Unternehmensanleihemärkte gehen in solider Verfassung ins Jahr 2026. Die meisten Unternehmen sind mit dem höheren Zinsumfeld recht gut zurechtgekommen. Die Gewinnmargen sind stabil, die meisten Bilanzen sehen gesund aus und der bevorstehende Refinanzierungsbedarf erscheint überschaubar.
Die Nachfrage der Anleger nach Investment-Grade-Anleihen war stark, was dazu beigetragen hat, die Credit Spreads – die zusätzliche Rendite gegenüber Staatsanleihen – auf historisch engen Niveaus zu halten. Unterdessen ist davon auszugehen, dass einige Unternehmen 2026 voraussichtlich mehr Schulden aufnehmen werden, um groß angelegte Investitionen in KI und neue Technologien zu finanzieren.
Der entscheidende Punkt für Anleger ist, dass die Spreads bereits eng sind, sodass Unternehmensanleihen weniger Puffer bieten, falls sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern. Das macht die Titelauswahl wichtiger, als einfach nur breit in den Markt investiert zu sein.
Unternehmen mit zuverlässigen Cashflows – zum Beispiel Versorgungsunternehmen oder hochwertige Finanzunternehmen – können weiterhin attraktive, risikoadjustierte Renditen bieten. Zyklischere Sektoren könnten jedoch Schwierigkeiten bekommen, wenn die Nachfrage nachlässt. Und Unternehmen, die mit höheren Finanzierungskosten oder großen Investitionsbedarfen konfrontiert sind, könnten unter Druck geraten, weil ihre Renditen sinken.
Für Anleger, die auf Erträge aus sind, bleiben Unternehmensanleihen ein wichtiger Baustein. Aber 2026 ist ein Jahr, in dem diszipliniertes Research und sorgfältige Titelauswahl wahrscheinlich wichtiger sein werden als sonst.
Schwellenländeranleihen: attraktiv, aber mit Bedacht zu wählen
Schwellenländeranleihen könnten 2026 einige der attraktivsten Chancen bieten. Viele Zentralbanken der Schwellenländer haben ihre Zinsen zu Beginn des Zyklus angehoben, und in mehreren Ländern geht die Inflation inzwischen zurück. Dadurch ist ein Umfeld entstanden, in dem Schwellenländeranleihen in lokaler Währung hohe Realrenditen bieten können – etwas, das im globalen Rentenuniversum heraussticht.
Die Haushaltslage verbessert sich in mehreren Märkten, und nach mehreren schwierigen Jahren fließen wieder verstärkt Anlegergelder in diese Anlageklasse.
Allerdings ist bei Investments in Schwellenländern stets Vorsicht geboten. Währungen können volatil sein, die globale Stimmung kann sich schnell ändern und politische Unsicherheiten bleiben ein allgegenwärtiges Risiko. Aus diesen Gründen dürfte 2026 eher selektive Investitionen als ein breites Marktengagement belohnen.
Ein konstruktives, aber selektives Jahr steht bevor
Festverzinsliche Anleihen etablieren sich endlich wieder als zuverlässige Quelle für Erträge, Diversifizierung und Stabilität. Staatsanleihen bieten attraktive Renditen, Investment-Grade-Anleihen bieten ein stabiles Ertragspotenzial und Hochzins- und Schwellenländeranleihen bieten selektive Chancen für diejenigen, die mit den Risiken umgehen können.
Das Umfeld ist jedoch nicht einfach. Geopolitische Faktoren, hohe Staatsverschuldung und enge Kreditbewertungen bedeuten, dass Anleger bei der Ausrichtung ihres Anleiheengagements selektiv vorgehen müssen.
Ein ausgewogener Ansatz, der hochwertige Vermögenswerte mit selektiven Chancen kombiniert, über Regionen und Sektoren diversifiziert und sich auf die Fundamentaldaten von Unternehmen und Ländern konzentriert, dürfte 2026 der effektivste Weg sein, um sich auf den Rentenmärkten zu behaupten.




