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Der Investment-Ausblick

Private Credit: ein alter Markt, der neu missverstanden wird

Was wäre, wenn Private Credit gar nicht das Risikothema wäre, für das es oft gehalten wird? Entdecken Sie die übersehenen Bereiche dieses Marktes, die Anlegern im Jahr 2026 Stabilität, Schutz und attraktive Erträge bieten könnten.

Autor
Senior Investment Manager, Private Credit
Image shows a tree with deep roots (like the private credit asset class)

Dauer: 4 Minuten

Datum: 17. Feb. 2026

Private Credit steht derzeit stark im Fokus – allerdings nicht immer auf hilfreiche Weise.

Die öffentliche Debatte verengt sich zunehmend auf eine einzige Erzählung: Private Credit sei riskant, überhitzt und eine potenzielle Quelle für Instabilität. Das klingt gut, greift aber zu kurz.

Das Problem ist nicht die Kontrolle, sondern die zu starke Vereinfachung. Ein Begriff, der eigentlich helfen sollte, eine vielfältige und dynamische Anlageklasse zu verstehen, ist stattdessen zur Kurzformel für einen sehr kleinen Ausschnitt davon geworden.

Wer Private Credit weiterhin nur durch diese verzerrte Linse betrachtet, läuft Gefahr, eine Anlageklasse misszuverstehen, die eine wichtige – sogar stabilisierende – Rolle in Portfolios spielen könnte.

Ein Etikett, das eine ganze Anlageklasse schrumpfen lässt

Wer nur die Schlagzeilen liest, könnte glauben, Private Credit bestünde fast ausschließlich aus Direktkrediten an hoch verschuldete, Private-Equity-finanzierte Unternehmen.

Zweifellos kann dieser Teil des Markts unter Druck geraten – und wenn er es tut, sorgt er für Schlagzeilen. Doch direct Lending macht nur einen Bruchteil dessen aus, was Private Credit tatsächlich umfasst.

Wenn Kommentatoren Private Credit und Direct Lending synonym verwenden, reduzieren sie einen breiten, vielschichtigen Markt auf sein riskantestes Segment.

Kein Wunder also, dass viele glauben, die gesamte Anlageklasse sei neu, ungetestet, intransparent und inhärent risikoreich.

Nichts davon entspricht der Realität.

Ein Markt mit tieferen Wurzeln, als viele denken

Private Credit – verstanden als nicht-bankliche, privat vergebene und nicht börsengehandelte Finanzierung – existiert seit Jahrhunderten. Lange vor dem modernen Bankensystem trugen private Finanzierungen Handel, Infrastruktur und das Wachstum von Städten und Industrien. Dieses Erbe wirkt bis heute fort.

Ein Beispiel: Der Investment-Grade‑Markt für Private Placements. Institutionelle Investoren sind hier seit über 100 Jahren aktiv, und in vielen Jahren überstieg das jährliche Emissionsvolumen 100 Milliarden US‑Dollar. Dieses Segment bietet hohe Bonität, maßgeschneiderte Gläubigerschutzklauseln und traditionell niedrige Ausfallraten. Doch er macht selten Schlagzeilen – vielleicht weil ein Jahrhundert zuverlässiger Stabilität wenig Sensationspotenzila hat.

Ähnlich verhält es sich mit Infrastrukturanleihen und gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Diese Märkte unterstützen essenzielle Dienstleistungen – von Versorgern bis Logistik – und bieten stabile, langfristige Cashflows.

Andere Bereiche wie Fund Finance oder Teile des Asset-Backed-Finance‑Marktes gibt es noch nicht so lange, können Anlegern aber Investment-Grade‑Qualität mit attraktiven Renditeaufschlägen bei niedrigen Kreditrisiken bieten.

Für viele Investoren sieht so Private Credit in der Praxis genau so aus.

Warum das Missverständnis von Bedeutung ist

Ein irreführendes Label ist nicht nur ein theoretisches Problem – es hat reale Konsequenzen auf Anlageentscheidungen.

Wer Private Credit nur als Proxy für Leveraged Lending, also Kredite an hochverschuldete Unternehmen, versteht, übersieht Chancen mit attraktiven Renditen, guter Absicherung und echter Diversifikation.

Zudem wird oft unterschätzt, welche Rolle Private Credit heute spielen kann – in einem Umfeld, in dem öffentliche Anleihemärkte mit höherer Unsicherheit kämpfen, geopolitische Spannungen Volatilität verstärken und Anleger wieder stärker auf Resilienz achten.

Gut strukturierter Private Credit bietet oft höhere Renditen, ohne dass das Kreditrisiko im gleichen Maße steigt – dank strengerer Gläubigerschutzklauseln, maßgeschneiderter Sicherheiten und der Illiquiditätsprämie. Mit anderen Worten: Anleger werden dafür entschädigt, dass sie auf tägliche Handelbarkeit verzichten – ein Kompromiss, den viele langfristige Investoren problemlos eingehen können.

Ein Moment für Klarheit – und Chancen

Wenn uns 2025 eines gelehrt hat, dann dies: Labels können trügerisch sein. Risiko ist kein inhärenter Bestandteil des Begriffs ‚Private Credit‘ an sich – es liegt in den jeweiligen Kreditnehmern, Strukturen und Underwriting‑Entscheidungen.

Dieses Jahr dürfte die Streuung innerhalb von Private Credit zunehmen, da sich die Märkte an hartnäckigere Inflation, ungleichmäßiges Wachstum und veränderte Kreditbedingungen der Banken anpassen.

Gerade deshalb sollten Investoren genauer hinschauen – nicht weniger. Wer über die Schlagzeilen hinausblickt, findet eine Anlageklasse, die heute etwas Seltenes bietet: Rendite, strukturellen Schutz und Diversifikation.

Aber um diese Chance zu nutzen, darf man Private Credit nicht als monolithisch oder als Modeerscheinung betrachten. Es ist weder das eine noch das andere. Private Credit ist ein vielfältiges Spektrum von Finanzierungsformen, die die Realwirtschaft seit Jahrzehnten unterstützen – und dies auch weiterhin tun wird, lange nachdem die Schlagzeilen verflogen sind.

Die eigentliche Frage

Die eigentliche Frage lautet nicht:

„Sollten Anleger sich wegen Private Credit Sorgen machen?“

Sondern vielmehr:

„Welchen Teil des Private‑Credit‑Marktes meinen Sie?“

Sobald diese Frage beantwortet ist, wird das Bild klarer – und oft deutlich überzeugender – als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Nächste Schritte

Angebotene Optionen

Wir bieten Anlageexpertise in allen wichtigen Anlageklassen, Regionen und Märkten, damit unsere Kunden Anlagepotenziale nutzen können, wo immer sie sich ergeben.