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Aktive AktienanlagenWarum sollte man 2026 in Schwellenländer investieren, um Einkommen zu erzielen?
Schwellenländer werden meist mit Wachstumsinvestments in Verbindung gebracht. Ein neuer Blick zeigt jedoch, dass sie für aktive Investoren mit einem Total-Return-Ansatz auch ein besonders attraktives Einkommensuniversum darstellen.
Autor
Matt Williams
Senior Investment Director

Dauer: 5 Minuten
Datum: 08. Juni 2026
Schwellenländer (EM) werden typischerweise durch die Wachstumsbrille betrachtet. Dies birgt jedoch die Gefahr, einen wesentlichen Aspekt zu übersehen.Heute stellen EM auch ein breites und zunehmend überzeugendes Einkommensuniversum für aktive Investoren dar, deren Fokus auf dem Gesamtertrag liegt.
Wir sind der Ansicht, dass die Kombination aus wachsenden Dividendenchancen und strukturellem Wachstumspotenzial diese Assetklasse zu einer attraktiven und oft unterschätzten Anlagechance macht.
Income-orientiertes Investieren ist in Schwellenländern besonders wirkungsvoll
Income-orientiertes Investieren wird häufig mit etablierten Märkten in Verbindung gebracht. Die Fakten zeigen jedoch, dass Schwellenländer mittlerweile ein tieferes und stärker entwickeltes Einkommensuniversum bieten, als vielen Anlegern bewusst ist.
Dividendenzahlende Unternehmen sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Seit 2010 liegt der Anteil der Unternehmen, die Dividenden zahlen, in den Schwellenländern mit rund 85% häufig über dem in Industrieländern (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Mehr Unternehmen zahlen Dividenden in EM als in Industrieländern
Diese Entwicklung spiegelt Verbesserungen in der Unternehmensführung, stärkere Bilanzen und ein wachsendes Bewusstsein für die Bedeutung von Aktionärsrenditen wider.
Ebenso wichtig ist das Niveau der laufenden Erträge: Mehr als die Hälfte der EM-Unternehmen bietet eine Dividendenrendite von über 3 %, was die Relevanz von Income-Strategien innerhalb dieser Assetklasse unterstreicht (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Mehr als 50 % der EM-Unternehmen haben eine Dividendenrendite über 3 %
Entscheidend ist zudem, dass diese Erträge zunehmend durch strukturelle Wachstumstreiber gestützt werden. Im Technologiesektor beispielsweise stehen viele EM-Unternehmen im Zentrum globaler Lieferketten für Halbleiter, Konnektivität und Speicherlösungen. Die steigende Nachfrage im Zuge von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung unterstützt sowohl das Gewinnwachstum als auch die Fähigkeit zur Dividendenausschüttung.
Ist Income Investing nicht auf Telekommunikationsunternehmen und Versorger beschränkt?
Ein weit verbreitete Annahme ist, dass einkommensorientiertes Investieren auf ein enges Spektrum an Möglichkeiten beschränkt ist und sich vor allem auf traditionelle defensive Sektoren konzentriert.
In Schwellenländern trifft das nicht zu. Dividendenerträge erstrecken sich über zahlreiche Sektoren hinweg, darunter Finanzwerte, Rohstoffe, Energie und Technologie (siehe Abbildung 3).
Abbildung 3: Nach Marktkapitalisierung gewichtete Dividendenrendite nach Sektoren
Infrastrukturbezogene Sektoren verdeutlichen diese Bandbreite besonders gut. Die Nachfrage nach Strom, Elektrifizierung und Netzausbau und -modernisierung steigt – angetrieben durch Digitalisierung und die Energiewende. Rohstoffe wie Kupfer sowie Entwicklungen entlang der Energie-Wertschöpfungsketten unterstreichen die Breite der Einkommensmöglichkeiten jenseits klassischer Hochzins-Sektoren.
Dies gilt auch aus geografischer Perspektive. Attraktive Einkommensmöglichkeiten finden sich in einer Vielzahl von Volkswirtschaften – von Asien und Lateinamerika bis zum Nahen Osten und Osteuropa (siehe Abbildung 4).
Abbildung 4: Nach Marktkapitalisierung gewichtete Dividendenrendite nach Ländern
Insgesamt stellt diese Bandbreite die Annahme infrage, dass Income Investing in Schwellenländern entweder eng gefasst oder defensiv geprägt ist. Vielmehr eröffnet sich ein diversifiziertes Spektrum an Einkommensmöglichkeiten über Sektoren und Regionen hinweg.
Rendite schließt Wachstum nicht aus
Ein weiteres Missverständnis besteht darin, dass Einkommensstrategien zulasten des Wachstums gehen. In Schwellenländern ist unsere Ansicht nach oft das Gegenteil der Fall.
Die Dividenden in den EM sind im Zeitverlauf stark gewachsen, unterstützt durch sich verbessernde Fundamentaldaten und wirtschaftliche Expansion. Seit den frühen 2000er Jahren ist das Dividendenwachstum in den EM deutlich stärker ausgefallen als in den Industrieländern – mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von nahezu 12% über die letzten zwei Jahrzehnte (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Dividendenwachstum in EM in den letzten zwei Jahrzehnten
Dies spiegelt sowohl steigende Unternehmensgewinne als auch höhere Ausschüttungsquoten mit zunehmender Reife der Unternehmen wider.
Wichtig ist zudem, dass dieses Wachstum von langfristigen strukturellen Trends getragen wird. Steigende Investitionen in Infrastruktur, die Ausweitung digitaler Technologien und eine wachsende Konsumnachfrage tragen allesamt zu stabileren und nachhaltigeren Cashflows bei.
Mit zunehmenden Einkommen und expandierenden Mittelschichten profitieren führende lokale Marken von steigender Nachfrage und verbesserter Profitabilität – ein günstiges Umfeld für weiteres Dividendenwachstum.
Mit anderen Worten: Einkommen und Wachstum schließen sich in EM nicht aus, sondern sind eng miteinander verknüpft.
Die zwei Komponenten des Gesamtertrags
Einkommen hat historisch einen bedeutenden Beitrag zu den Gesamterträgen in Schwellenländern geleistet.
Dividendenrenditen in EM gehörten in den letzten zwei Jahrzehnten zu den höchsten im Vergleich zu anderen Regionen im MSCI-Universum (siehe Abbildung 6).
Abbildung 6: Beitrag von Dividenden zu den Gesamterträgen
Der Zinseszinseffekt von Dividendenausschüttungen macht etwa die Hälfte der Anlegererträge aus. Gleichzeitig wird die Kursrendite primär durch das Wachstum der Cashflows bestimmt, das wiederum auch das Dividendenwachstum antreibt.
Auch wenn sich die Gesamterträge aus Kursentwicklung und Dividenden zusammensetzen, ist entscheidend, dass Einkommen über die Zeit hinweg eine stabile und bedeutende Rolle gespielt hat.
Dies spiegelt einen positiven Kreislauf wider: Starkes Wirtschaftswachstum unterstützt die Gewinne, die wiederum das Dividendenwachstum fördern und damit die Einkommenskomponente der Renditen stärken.
Warum gerade jetzt?
Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten bleibt der langfristige Ausblick für Schwellenländer intakt.
Die Assetklasse scheint sich in einer frühen Phase eines neuen Aufschwungs zu befinden, der durch einen neuen globalen Investitionszyklus gestützt wird. Strukturelle Veränderungen – darunter ein stärkerer Fokus auf Energiesicherheit, resilientere Lieferketten, steigende Verteidigungsausgaben und Investitionen in künstliche Intelligenz – treiben weltweit höhere Investitionen an.
Diese Trends passen gut zu den Stärken der Schwellenländer – sowohl als Produzenten kritischer Rohstoffe als auch als zentrale Akteure in globalen Lieferketten und Technologie-Ökosystemen.
Auch die Bewertungen sprechen für die EM: Der MSCI EM Index wird weiterhin mit einem Abschlag von rund 40 % gegenüber dem S&P 500 gehandelt – selbst nach der jüngsten starken Performance, während derer die Gewinnerwartungen nach oben revidiert wurden.
Diese Kombination aus attraktiven Bewertungen und einer sich verbessernde Gewinnentwicklung könnte ein günstiges Umfeld für aktive Manager schaffen.
Abschließende Gedanken
Schwellenländer entwickeln sich zu einem attraktiven Ziel für einkommensorientierte Anleger.
Dividendenzahlende Unternehmen sind weit verbreitet: Die Mehrheit der Firmen schüttet inzwischen Erträge aus, und mehr als die Hälfte bietet Dividendenrenditen von über 3 % an.
Gleichzeitig verzeichnet das Dividendenwachstum ein starke Dynamik, gestützt durch sich verbessernde Fundamentaldaten und strukturelle Wirtschaftstrends.
Entscheidend ist zudem die Breite der Einkommensmöglichkeiten, die sich über verschiedene Sektoren und Regionen erstrecken und durch langfristige Anlagethemen in den Bereichen Technologie, Infrastruktur und Konsum gestützt werden.
Für Anleger, die bereit sind, über das traditionelle Wachstumsnarrativ hinauszuschauen, bieten Schwellenländer ein differenzierteres Bild: das Potenzial für attraktive laufende Erträge heute, kombiniert mit strukturellen Wachstumstreibern, die die Gesamtrendite langfristig unterstützen können.




