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Fixed Income

Anleihen bleiben ein sicherer Hafen in volatilen Märkten

Die Signale, die Anleger im Bereich festverzinslicher Wertpapiere nicht ignorieren sollten.

Lighthouse and a stormy sea

Dauer: 5 Minuten

Die globalen Finanzmärkte haben sich in den letzten Wochen in entgegengesetzte Richtungen bewegt. Die Aktienindizes haben sich angesichts positiverer Schlagzeilen zum US-Iran-Konflikt und robuster Unternehmensgewinne deutlich erholt. Die Märkte für Staatsanleihen rechnen jedoch weiterhin mit einem hohen Maß an Unsicherheit. Diese Divergenz ist von Bedeutung. Anleihen reagieren nicht einfach nur auf die täglichen Nachrichten; sie signalisieren, dass der „echte“ makroökonomische Stresstest – Inflation und politische Beschränkungen – nach wie vor in vollem Gange ist.

Es ist die Geopolitik, Dummkopf

Auf den ersten Blick wirken die jüngste Aktienrallye und die Verengung der Kreditspreads beruhigend. Risikoanfällige Anlagen spiegeln eine mittelfristige Wachstumserwartung wider, die davon ausgeht, dass die aktuellen Schocks nachlassen werden.

Die Märkte für Staatsanleihen zeichnen ein negativeres Bild. Es gibt nach wie vor deutliche Stresssignale am Markt – das zeigt sich in höheren kurzfristigen Zinsen und in flacheren Renditekurven als erwartet. Die Renditen spiegeln zunehmend einen Ausblick wider, der eher von geopolitischen Entwicklungen als von aktuellen makroökonomischen Daten geprägt ist.

Dies verdeutlicht auch, warum Anleihen in geopolitischen Krisen oft als Frühwarnindikatoren fungieren. Anleiheinvestoren sind gezwungen, sich sofort mit Inflations- und Versorgungsrisiken auseinanderzusetzen. Die Aktienmärkte können es sich leisten, diese länger auszublenden.

Auch die Zinskurven blinken rot. Bis Ende Februar sanken die Inflationsraten in den meisten großen Volkswirtschaften langsam in Richtung ihrer Zielwerte. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen erhöht, was die kurzfristigen Finanzierungskosten in die Höhe treibt. Die kurzfristigen Zinsen liegen zwar immer noch deutlich unter den langfristigen, doch die Anzeichen für einen erneuten Anstieg der Inflation nehmen wieder zu. Der Anleihemarkt signalisiert uns, dass Inflationsrisiken unter der Oberfläche nach wie vor vorhanden sind. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen weiterhin deutlich über dem Bereich von 0,5 bis 3 %, an den wir uns in den letzten zehn Jahren gewöhnt haben.

Volatilität ist nach wie vor ein entscheidender Faktor

Das Ergebnis ist eine deutliche Divergenz im Verhalten der verschiedenen Anlageklassen. Aktien preisen robuste Unternehmensgewinne und eine gewisse Zuversicht ein – verstärkt durch wiederholte Kaufwellen bei Marktrückgängen. Staatsanleihen hingegen spiegeln kurzfristige Unsicherheiten hinsichtlich der Inflation und politischer Risiken wider. Investment-Grade-Anleihen und Hochzinsanleihen bewegen sich derzeit näher an Aktien. Die Anleger blicken positiv auf die nächsten Jahre und nutzen die derzeit höheren Renditen.

Volatilität spielt nach wie vor eine Rolle. Abbildung 1 vergleicht die Zinsvolatilität mit dem Renditeaufschlag, den Investment-Grade-Anleihen im Vergleich zu US-Staatsanleihen in den letzten fünf Jahren geboten haben.

Anleger verlangen in Stressphasen eine höhere Risikoprämie, da die Volatilität die Unsicherheit erhöht. Wir beobachten, dass sich dies in höheren Renditeaufschlägen widerspiegelt, die Anleger für das Kreditrisiko verlangen - selbst wenn die Fundamentaldaten hinsichtlich Zahlungsausfällen weiterhin günstig sind.

Nach einem sprunghaften Anstieg ist die Zinsvolatilität von ihren Höchstständen seit dem anfänglichen, durch den Iran-Krieg ausgelösten Schock zurückgegangen. Infolgedessen haben sich die Kreditmärkte verbessert und die Risikoprämien verringert. Eine gewisse Vorsicht ist jedoch geboten, da der Markt anfällig für einen weiteren Volatilitätsschub ist, sollten die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben.  


Abbildung 1 – Vergleich der Anleihespreads mit Schätzungen zur Marktvolatilität

Natürliche Diversifikatoren

Aktien und Anleihen gelten oft als natürliche Diversifikatoren – man denke nur an das von vielen bevorzugte Portfolio mit 60 % Aktien und 40 % Anleihen. Die Geschichte liefert jedoch einen wichtigen Kontext. Aktien und Anleihen entwickeln sich nicht immer parallel – es hängt davon ab, was die Märkte gerade antreibt. Insbesondere Inflationsdruck kann zu starken Schwankungen in der Korrelation zwischen Aktien und Anleihen führen.


Abbildung 2 – Korrelation zwischen US-Aktien und -Anleihen im Zeitverlauf

Unsere Analyse von US-Aktien und Staatsanleihen (Abbildung 2) zeigt, dass der Diversifizierungsvorteil von Anleihen gegenüber Aktien in Phasen starker oder volatiler Inflationsbewegungen tendenziell schwindet. Ähnliche Anzeichen dafür sehen wir auch beim Vergleich des FTSE 100 und der Gilts auf dem britischen Markt. Die Diversifikationswirkung zwischen Aktien und Anleihen verbesserte sich, wenn die Inflation niedrig war oder unter den Zielen der politischen Entscheidungsträger lag – wie beispielsweise Mitte der 2010er Jahre. Das Gegenteil war jedoch nach der globalen Finanzkrise und erneut während des Inflationsschocks nach der Covid-Pandemie zu beobachten.

Die derzeitige Inflationsunsicherheit ist nach wie vor hoch und die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ist deutlich positiv. Wie wir in den letzten Wochen gesehen haben, könnten die Diversifikationsvorteile daher weniger verlässlich sein. In solchen Phasen gewinnen Entscheidungen zur Asset-Allokation an Bedeutung.

Was sollten Anleger jetzt tun?

Starke Markterholungen bedeuten nicht automatisch, dass die Risiken gebannt sind – wir sind wahrscheinlich noch nicht über den Berg. Die derzeitige Divergenz zwischen den Anlageklassen spiegelt unterschiedliche Zeithorizonte und Sensitivitäten wider, nicht jedoch eine endgültige Auflösung der Unsicherheit. Für Anleger, die sich in volatilen Marktbedingungen zurechtfinden müssen, bleibt es unerlässlich, darauf zu achten, was die Anleihemärkte signalisieren – selbst oder gerade dann, wenn die Aktienmärkte ruhig erscheinen.

Wir sind der Ansicht, dass die aktuellen Bedingungen eine Gelegenheit bieten, das Engagement in Anleihen aufzustocken. Die Ausgangslage für Anleihen ist deutlich besser als seit vielen Jahren. Das allgemeine Renditeniveau ist sehr attraktiv, auch wenn der zusätzliche Ertrag für das Eingehen von Kreditrisiken vergleichsweise gering ist. Investment-Grade-Anleihen bieten derzeit Renditen von über 5 %, was deutlich über ihrem 10-Jahres-Durchschnitt liegt. Dies bietet Anlegern das Potenzial für attraktive Gesamterträge. Für Anleger, die stärker auf Abwärtsrisiken achten, bieten auch Staatsanleihen großzügige Renditen bei defensiveren Eigenschaften.

Abschließende Gedanken...

Für Anleger, die zwischen Staats- und Unternehmensanleihen abwägen, hängt die richtige Mischung von Ihrer Risikobereitschaft und der bestehenden Ausrichtung Ihres Portfolios ab. Der wichtigste Punkt bleibt jedoch bestehen: Anleihen bieten ein weitaus attraktiveres Gleichgewicht zwischen Ertrag und Absicherung, als dies über weite Strecken des vergangenen Jahrzehnts der Fall war.

In einem Markt, der nach wie vor von geopolitischen Inflationsrisiken geprägt ist, sind wir der Ansicht, dass Anleihen – und nicht Aktien – weiterhin die zuverlässigere Anlageform darstellen. Cross-Over-Kreditstrategien können das Potenzial für höhere Renditen bieten und gleichzeitig die Risiken auf einem moderaten Niveau halten. Gleichzeitig können Strategien zur Ertragsoptimierung (Enhanced Income) Anlegern helfen, ein stabiles Einkommen zu erzielen, das über dem vom Geldmarkt liegt - und dies bei geringerer Volatilität.