SpaceX-Börsengang: Ein Preis, der bis zu den Sternen reicht – und noch weiter
Himmelhohe Ambitionen – aber sind die Anleger bereit, die Rechnung zu bezahlen?

Dauer: 6 Minuten
Datum: 15. Juni 2026
Mit einer Bewertung von fast 1,8 Billionen US-Dollar hat das Unternehmen nicht nur den größten Börsengang (IPO) der Geschichte vollzogen, sondern gehört nun auch zu den am höchsten bewerteten Unternehmen, die jemals an die Börse gegangen sind [1].
Für Investoren stellt sich eine einfache Frage: Investieren sie in ein revolutionäres Unternehmen für weltraumgestützte Infrastruktur oder finanzieren sie eine Vision, die einfach nicht aufgeht?
Das Bullen-Szenario: ein seltener Branchenführer
Was wir wissen: SpaceX ist bereits der marktbeherrschende Akteur im Bereich kommerzieller Weltraumstarts und Satellitenkonnektivität.
Die Zahlen sind beeindruckend. Laut den eingereichten Unterlagen erzielte das Unternehmen im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden US-Dollar, wobei Starlink – das globale Satelliten-Internetnetzwerk des Unternehmens – mehr als 60 % des Umsatzes ausmachte und ein Betriebsergebnis von über 4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete [2].
Das verändert die Ausgangslage. Im Gegensatz zu vielen hochkarätigen Börsengängen verfügt SpaceX über eine greifbare, skalierte Einnahmequelle mit globaler Reichweite. Sein vertikal integriertes Modell – Entwicklung von Raketen, Start von Satelliten und Monetarisierung der Konnektivität – bietet eine seltene Kombination aus industrieller Kompetenz und wiederkehrenden Einnahmen.
Die nächste Wachstumsphase könnte von „Starship“ abhängen - der derzeit in der Entwicklung befindlichen Rakete der nächsten Generation von SpaceX. Im Erfolgsfall könnte sie die Startkapazität drastisch erweitern und gleichzeitig die Kosten senken, was potenziell ein breiteres Spektrum kommerzieller Anwendungen eröffnen würde.
Eine andere Bewertungsbahn?
Das Problem liegt darin, wie viel Investoren für diese Umsätze zahlen müssen.
Bei rund 1,75 Billionen US-Dollar impliziert die Bewertung extremen Optimismus hinsichtlich des zukünftigen Wachstums. Auf Basis der aktuellen Zahlen entspricht dies einem Umsatzmultiplikator, der sich der dreistelligen Marke nähert. Um diese Bewertung unter realistischeren Gesichtspunkten zu rechtfertigen, müsste SpaceX seinen Umsatz um ein Vielfaches steigern – auf Hunderte von Milliarden pro Jahr.
Ein Großteil dieses erwarteten Wachstums hängt mit neueren Initiativen zusammen, darunter xAI und weltraumgestützte Rechenzentren. Beide befinden sich jedoch noch in einem frühen Stadium – mit derzeit begrenzter kommerzieller Durchschlagskraft und in einigen Fällen noch fest auf dem Reißbrett –, während unterstützende Kapazitäten wie die groß angelegte Chipfertigung komplex und kapitalintensiv zu skalieren sind.
Zum Vergleich: Nvidia wird mit dem etwa 20- bis 25-fachen des Umsatzes gehandelt, während etablierte Mega-Cap-Konkurrenten wie Apple eher beim 10-fachen liegen. Damit handelt SpaceX nicht nur mit einem Aufschlag, sondern bewegt sich in einer ganz anderen Bewertungsliga [3] [4].
Diese Stärke schlägt sich jedoch auf Konzernebene noch nicht nieder. Das Unternehmen meldete für das Jahr 2025 einen Nettoverlust von rund 4,9 Milliarden US-Dollar, da es massiv in künstliche Intelligenz und Infrastruktur der nächsten Generation investierte [5].
Kurz gesagt: Von den Investoren wird erwartet, dass sie ein Unternehmen finanzieren, das sich noch sehr stark in der Investitionsphase befindet.
Unternehmensführung: öffentliche Gelder, private Kontrolle
Und während die Bewertung für Stirnrunzeln sorgt, gibt auch die Führungsstruktur den Anlegern Anlass zum Nachdenken.
SpaceX ist mit einer dualen Aktienstruktur an die Börse gegangen, die Elon Musk eine überwältigende Kontrolle verschafft – geschätzt 80 % bis 85 % der Stimmrechte, obwohl er einen weitaus geringeren wirtschaftlichen Anteil hält [6].
In der Praxis bedeutet dies, dass öffentliche Aktionäre kaum nennenswerten Einfluss auf die Strategie, die Besetzung des Vorstands oder die Abberufung der Geschäftsführung haben werden. Die Ernennung eines neuen CEO würde faktisch erfordern, dass Musk sich selbst entlässt. Es ist schwer vorstellbar, dass ein solches Szenario eintritt.
Hinzu kommt, dass er bereits CEO von Tesla ist – einem Unternehmen mit einem Wert von fast 2 Billionen Dollar –, was die Aussicht erhöht, dass zwei der wertvollsten Unternehmen der Welt letztendlich von ein und derselben Person geführt werden könnten.
Der Narrativ-Bonus: Mars, KI und darüber hinaus
Und dann ist da noch Elon Musk.
Für viele ist er ein Visionär – die treibende Kraft hinter Elektrofahrzeugen und wiederverwendbaren Raketen. Für Kritiker neigt er dazu, zu viel zu versprechen.
Das ist von Bedeutung.
Zu den langfristigen Zielen von SpaceX gehören die Kolonisierung des Mars, Rechenzentren im Orbit (lassen wir die physikalischen Aspekte dabei einmal außer Acht) und sogar die Gewinnung von Rohstoffen jenseits der Erde. Das sind Projekte, die nach eigenen Angaben des Unternehmens auf Technologien und Märkte angewiesen sind, die größtenteils noch gar nicht existieren.
Diese Ambitionen spalten die Meinungen. Befürworter sehen darin den Beweis für ein Unternehmen, das auf Jahrzehnte und nicht auf Quartale ausgerichtet ist. Kritiker tun sie als spekulativ ab.
Für Investoren entsteht dadurch ein bekanntes Dilemma: Wie viel der Bewertung lässt sich durch aktuelle Cashflows rechtfertigen, und wie viel beruht auf dem Glauben an eine Zukunft, deren Verwirklichung Jahrzehnte dauern könnte?
Eine Frage des Glaubens oder der Disziplin
Der Börsengang von SpaceX wird mehr als nur den Appetit der Anleger auf Wachstum auf die Probe stellen. Er wird ihre Bereitschaft testen, ein neues Modell der öffentlichen Aktienbeteiligung anzunehmen: hohe Bewertung, eingeschränkte Mitbestimmungsrechte und Vertrauen in eine vom Gründer getragene Vision.
Diese Kombination hat sich bereits bewährt. Aber in dieser Größenordnung?
Für manche stellt SpaceX eine einmalige Gelegenheit dar, in die Infrastruktur der Zukunft zu investieren. Für andere sieht es so aus, als würde man heute für Gewinne bezahlen, die vielleicht – oder vielleicht auch nicht – jemals eintreffen werden.
[1] [tesery.com],
[2] [tesery.com], [sacra.com] [cnbc.com]
[3] NVIDIA (NVDA) Kurs-Umsatz-Verhältnis – Aktuelle und historische Daten (Juni 2026)
[4] Apple (AAPL) – Kurs-Umsatz-Verhältnis
[5] [tesery.com]
[6] SpaceX beantragt Börsengang an der Nasdaq – Musk behält 85,1 % der Stimmrechte | investingLive
[7] Der Börsengang von SpaceX zwingt zu Änderungen der Index- und Emissionsregeln




