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House View: Weiterhin investiert bleiben, aber die Diversifizierung verstärken, da die Risiken zunehmen

Robustes Wachstum und anhaltende Begeisterung für künstliche Intelligenz stützen Risikoanlagen. Doch zunehmende geopolitische Spannungen, fiskalischer Druck und eine konzentrierte Marktführerschaft sprechen zunehmend für eine stärkere Diversifizierung.

Autor
Chief Economist
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Duration: 3 Minuten

Datum: 18. Aug. 2026

Unsere Marktprognose bleibt sowohl für Aktien aus Industrieländern als auch aus Schwellenländern verhalten positiv, ist jedoch hinsichtlich des US-Dollars als Absicherung gegen geopolitische Risiken konstruktiver geworden.
Wir haben zudem die Einschätzung für globale Staatsanleihen angehoben, da diese attraktive Renditen bieten. Unternehmensanleihen haben wir hingegen herabgestuft, da der Renditevorsprung gegenüber Staatsanleihen sehr gering geworden ist. 
  • Unsere zentrale Erwartung ist, dass die Straße von Hormus für mehrere Wochen faktisch geschlossen bleibt. Dies dürfte zeitweise Aufwärtsdruck auf die Ölpreise ausüben, bevor wirtschaftliche und politische Zwänge letztlich zu irgendeiner Form von Einigung führen. Danach könnte sich der Konflikt zu einem wiederkehrenden Muster entwickeln, bei dem die Meerenge immer wieder mal geöffnet und geschlossen wird. 
  • So oder so bestärken die jüngsten Ereignisse uns in unserer Überzeugung, dass die geopolitischen Risiken strukturell erhöht sind. Anstatt zu versuchen, den Zeitpunkt dieser Schocks genau vorherzusagen, sollten Portfolios weiterhin auf langfristige Renditetreiber ausgerichtet sein und gleichzeitig eine ausreichende Diversifizierung aufweisen, um Marktvolatilität abzufedern.
  • Trotz dieser Gegenwinde bleibt der globale Aufschwung intakt. Wir prognostizieren für 2026 ein globales Wachstum von rund 3,2 %, gestützt durch Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), fiskalische Lockerungsmaßnahmen und nachlassende Unsicherheiten hinsichtlich der Zölle. 
  • Die Inflation liegt in vielen Volkswirtschaften weiterhin über den Zielwerten, was sowohl auf höhere Energiepreise als auch auf eine starke Nachfrage nach KI-bezogener Infrastruktur zurückzuführen ist. Dadurch hat sich die politische Debatte von der Frage, wie schnell die Zinsen gesenkt werden können, hin zu der Frage verschoben, ob einige Zentralbanken möglicherweise eine weitere Straffung vornehmen müssen. 
  • Aktien profitieren weiterhin von einem robusten Gewinnwachstum und der anhaltenden Begeisterung für KI. Allerdings haben die Konzentrationsrisiken deutlich zugenommen, wodurch die Auswahl einzelner Aktien und Sektoren wichtiger wird als die bloße Erhöhung des allgemeinen Marktengagements. 
  • Attraktive Renditen bei Staatsanleihen, eine positivere Einschätzung des US-Dollars und das anhaltende Vertrauen in den Infrastruktursektor sprechen allesamt für eine Diversifizierung, da sich die Bandbreite möglicher wirtschaftlicher und marktbezogener Entwicklungen vergrößert.

Unternehmensrisiko: weiterhin konstruktiv, aber mit größerer Selektivität

Wir behalten unsere positive Einschätzung für Aktien bei. Das Gewinnwachstum bleibt unterstützend, die Konjunktur expandiert weiter, und es gibt kaum Anzeichen dafür, dass KI-bezogene Investitionen kurz vor einem Einbruch stehen. 

Innerhalb der entwickelten Märkte erscheint Japan aufgrund der fortschreitenden Unternehmensreformen und seiner starken Technologieausrichtung weiterhin attraktiv. Europäische Aktien profitieren zudem nach wie vor von vergleichsweise attraktiven Bewertungen. US-Aktien werden weiterhin von soliden Gewinnperspektiven gestützt, wenngleich die Bewertungsherausforderungen dort größer sind.

Auch die Schwellenländer senden weiterhin positive Signale aus. Wir sehen weiterhin Chancen in KI-bezogenen Hardware-Lieferketten und Sektoren, die sich durch eine hohe Kapitalintensität und ein geringeres Risiko der technologischen Veralterung auszeichnen.

Allerdings sind die Konzentrationsrisiken deutlich gestiegen, da eine kleine Anzahl von KI-bezogenen Unternehmen einen zunehmenden Anteil an der Indexperformance ausmacht. Selektivität ist daher wichtiger als eine bloße Erhöhung des Engagements. 

US-Dollar: wichtige geopolitische Absicherung

Wir haben unsere positive Einschätzung des US-Dollars weiter heraufgestuft. Der Hauptgrund dafür ist eher die Diversifizierung als das reine Renditepotenzial.

In einem Umfeld, das von Energieversorgungsengpässen, geopolitischer Unsicherheit und zeitweiliger Risikoaversion geprägt ist, bleibt der Dollar eine der wirksamsten Absicherungen im Portfolio. Er könnte zudem von den relativ soliden Fundamentaldaten der USA und der Möglichkeit einer restriktiveren Geldpolitik der Federal Reserve profitieren.

Gleichzeitig ist der längerfristige Trend nicht verschwunden, wonach Zentralbanken ihre Abhängigkeit von US-Dollar-Anlagen verringern. Hintergrund sind anhaltende Fragen hinsichtlich der institutionellen Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der USA.

Anleihen: attraktive Renditen bei Staatsanleihen, geringerer Wert bei Unternehmensanleihen

Wir haben unsere Einschätzung zu globalen Staatsanleihen angehoben und die für Unternehmensanleihen auf „neutral“ herabgestuft.

Die Renditen von Staatsanleihen bleiben im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit attraktiv, während Anleger möglicherweise überschätzen, in welchem Umfang es letztendlich zu einer weiteren geldpolitischen Straffung kommen wird. Anleihen können zudem weiterhin eine nützliche Diversifizierungsrolle spielen, falls geopolitische Unsicherheiten das Wachstum belasten.

Allerdings dürften Haushaltsdefizite, steigende Schuldenlasten und Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Inflationspolitik weiterhin Druck auf die Renditen längerfristiger Anleihen ausüben. Wir rechnen daher mit einer gewissen Versteilerung der Zinsstrukturkurve und bevorzugen Anleihen mit kürzerer Laufzeit.

Anleihen aus Schwellenländern in Landeswährung bleiben aufgrund solider Fundamentaldaten, negativer Nettoemissionen und des Spielraums für weitere Lockerungsmaßnahmen in ausgewählten Märkten attraktiv. Lateinamerika und die Frontier-Märkte werden angesichts ihrer geringeren Anfälligkeit gegenüber Energiepreisschocks weiterhin gegenüber Asien bevorzugt.

Unterdessen haben wir die Bewertung von Unternehmensanleihen auf „neutral“ herabgestuft. Die Gesamtrenditen sind nach wie vor attraktiv, doch ein Großteil dieser Attraktivität ist mittlerweile eher auf die Renditen von Staatsanleihen zurückzuführen als auf die Kreditaufschläge (Credit Spreads), die eng erscheinen.

Private Markets: Infrastruktur bleibt das Highlight

  • Infrastruktur bleibt unser Private-Market-Segment mit der höchsten Überzeugung. Zu den langfristigen Treibern zählen steigende Verteidigungsausgaben, Investitionen in das Energiesystem und große globale Finanzierungslücken im Infrastrukturbereich. Der Fokus liegt weiterhin auf Chancen bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen, bei denen die Bewertungen am attraktivsten erscheinen. 
  • Auch der globale Immobilienmarkt bleibt positiv, gestützt durch eine gesunde Mieternachfrage, ein begrenztes Angebot und robuste Ertragscharakteristika. Unsicherheiten hinsichtlich Inflation und Zinssätzen bleiben jedoch ein belastender Faktor. 
  • Der Bereich Private Credit stufen wir weiterhin neutral ein. Investment-Grade-Segmente bieten nach wie vor attraktive Chancen, doch Bedenken hinsichtlich der Kreditvergabestandards und der jüngsten Fondsbeschränkungen – Einschränkungen bei Rücknahmen – haben unsere Überzeugung in risikoreicheren Bereichen der direkten Kreditvergabe geschwächt. 

Gesamtpositionierung

Wir bevorzugen weiterhin, investiert zu bleiben, erkennen jedoch an, dass die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Märkte zugenommen hat. In einer Welt, in der geopolitische Volatilität, Umbrüche durch künstliche Intelligenz und fiskalischer Druck die Marktentwicklung zunehmend prägen, bleibt Diversifizierung – und nicht das Market-Timing – der Grundpfeiler widerstandsfähiger Portfolios. 

Weitere Einzelheiten zum aktuellen „House View“ finden Sie unten:

Aberdeen House View: August 2026

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