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Schwellenländeranleihen

El Niño und Frontier Markets: Warum Resilienz den Unterschied macht

Wie El Niño die Volkswirtschaften in Schwellenländern beeinflussen könnte

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Investment Specialist, Fixed Income, Aberdeen
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Dauer: 6 Minuten

Datum: 18. Aug. 2026

In den letzten Monaten ist das Wetterphänomen El Niño zu einem regelmäßigen Gesprächsthema mit unseren Kunden geworden. Ehrlich gesagt war dies eine willkommene Abwechslung zum ständigen Fokus auf geopolitische Turbulenzen.

Hier konzentrieren wir uns stärker auf den renditestärkeren Teil des Schwellenländer-Universums, da sich El Niño überproportional auf die Lebensmittel- und Energiepreise auswirkt. Beide Positionen haben im Warenkorb der privaten Konsumausgaben kleinerer Schwellenländer-Emittenten ein überdurchschnittlich hohes Gewicht im Vergleich zu ihren Pendants aus den Schwellenländern insgesamt und den Industrieländern (siehe Abbildung 1). Untersuchungen zeigen, dass der Anteil von Nahrungsmitteln am Konsumkorb umso höher ist, je niedriger das BIP pro Kopf eines Landes ausfällt. 

Warum dies keinen Inflationsschock wie 2022 auslösen dürfte  

El Niño stört die Wetterverhältnisse und führt häufig zu trockeneren und heißeren Bedingungen im südlichen Afrika und in Teilen Asiens, während es in Teilen Südamerikas und Ostafrikas zu stärkeren Regenfällen und Überschwemmungen kommt. Meteorologen schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwischen November 2026 und Januar 2027 ein El Niño entwickelt, derzeit auf 88 %. Das bevorstehende Ereignis wird als „Super-El-Niño“ bezeichnet, was, wie wir zugeben, bedrohlich klingt.  

Die gute Nachricht ist, dass sich El Niño im Gegensatz zu Erdbeben oder Hurrikanen allmählich entwickelt und den Regierungen somit Zeit gibt, sich vorzubereiten. Und solange das Phänomen nicht für immer anhält (was es nicht tun wird), dürften die meisten wirtschaftlichen Auswirkungen nur vorübergehend sein.  

Tatsächlich zeigt die Geschichte, dass sich die Trends zu höheren Energiepreisen und Inflation sowie zu einem schwächeren Wachstum in der Regel wieder umkehren, sobald sich die Wetterbedingungen normalisieren und sich das Angebot erholt.  

Damit sollen die anfänglichen Auswirkungen nicht heruntergespielt werden. Es deutet aber darauf hin, dass El Niño wahrscheinlich keinen anhaltenden Inflationsschock und keine geldpolitische Straffung auslösen wird, wie sie nach Covid und dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 zu beobachten waren.  

Stattdessen dürfte die Fiskalpolitik eher als Puffer wirken - sei es durch Wiederaufbauausgaben oder durch Hilfsmaßnahmen für betroffene Landwirte und einkommensschwache Haushalte, insbesondere in Lateinamerika und Afrika. Ein typisches Beispiel hierfür ist Ecuador.

(Abbildung 1): Erwartete Auswirkungen von El Niño weltweit 2026–27


Ecuador 

Ecuador gehört zu den lateinamerikanischen Ländern, die am stärksten von El Niño betroffen sind, da es an der Pazifikküste liegt und Landwirtschaft, Fischerei sowie die Verkehrsinfrastruktur für seine Wirtschaft von großer Bedeutung sind. El Niño von 1997 führte zu einem Rückgang der Wirtschaft um 15 % und war damit eine der kostspieligsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes.  

Garnelen etwa, Ecuadors größtes Exportgut, sind anfällig für höhere Wassertemperaturen, schlechtere Wasserqualität und Krankheitsrisiken. Im Jahr 2025 exportierte Ecuador Garnelen im Wert von 8,4 Mrd. US-Dollar gegenüber Erdöl im Wert von 7,8 Mrd. US-Dollar. Unter der Annahme, dass 50 % der Garnelenzuchtbetriebe betroffen sind, könnten die Verluste bei einem starken El Niño 1,6 Mrd. US-Dollar oder 1 % des BIP erreichen, was hauptsächlich auf geringere Exportmengen und geringere Einnahmen zurückzuführen wäre.  

Das ecuadorianische Finanzministerium schätzt, dass sich unter diesen Umständen das Haushaltsdefizit um 1–2 % des BIP ausweiten könnte. Gleichzeitig könnte die Inflation im vierten Quartal 2026 um 1,5–3 % steigen, bevor sie sich 2027 wieder normalisiert.  

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Stromversorgung. Ecuador ist stark von Wasserkraft abhängig, wodurch die Stromversorgung anfällig für Dürren ist. Der El-Niño-Zyklus 2023/24 hat diese Schwäche durch Stromengpässe offenbart, und eine Wiederholung würde Haushalte und Unternehmen direkt treffen. Für Präsident Noboa könnten weitere Stromausfälle schnell zu einem politischen wie auch zu einem wirtschaftlichen Problem werden.

Es ist jedoch wichtig, die fundamentale Lage Ecuadors und die ihm zur Verfügung stehenden Mittel zur Bewältigung eines externen Schocks hervorzuheben.  

Erstens hat sich die Leistungsbilanz in einen Überschuss gedreht und den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten erreicht (siehe Abbildung 2). Dies ist vor allem auf eine Verbesserung der Terms of Trade (des Austauschverhältnisses zwischen Export- und Importpreisen) sowie in geringerem Maße auf höhere Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Ecuadorianern zurückzuführen. Ecuador ist einer der wenigen Netto-Ölexporteure in Lateinamerika.

Zweitens ist der Anstieg der Devisenreserven zu nennen. Ende 2025 erreichten die Reserven einen Rekordwert von 12,5 Milliarden US-Dollar, was einer Importdeckung von über vier Monaten entspricht. Sollte der Zufluss von US-Dollar versiegen (sei es aufgrund geringerer Exporteinnahmen oder eines Rückgangs der Rücküberweisungen), würde dieser große Reservepuffer es Ecuador ermöglichen, den Finanzierungsbedarf zu decken oder die Auslandsschulden zu bedienen.  

Ein Anstieg der Kakaopreise ist so gut wie unvermeidlich  

Kakao ist der Rohstoff, der am stärksten von El Niño betroffen ist, und die Elfenbeinküste ist der weltweit größte Produzent. Ecuador hat kürzlich Ghana überholt und den zweiten Platz eingenommen (siehe Abbildung 3).  

Bei früheren El-Niño-Ereignissen stiegen die Kakaopreise 1997/98 um 19 %, 2002/03 um 23 %, 2009/2010 um 24 %, 2015/16 um 9 % und 2023/24 sogar um 56 %. In den nächsten 18 Monaten werden zunehmende Krankheitsrisiken der Pflanzen und geringe Investitionen die Kakaoproduktion belasten, doch der größte Einzelrisikofaktor für die Produktion ist der “Harmattan”. Dabei handelt es sich um einen saisonalen, trockenen Wind, der aus der Sahara weht und in ganz Westafrika für niedrige Luftfeuchtigkeit und geringere Niederschläge sorgt.  

Während des El-Niño-Ereignisses 2016 trugen die Harmattan-Bedingungen zu einem Rückgang der Kakaoproduktion der Elfenbeinküste von rund 1,8 Millionen Tonnen auf 1,5 Millionen Tonnen bei, was einem Rückgang von 16 % entspricht. Kakao macht mehr als 50 % der Exporteinnahmen und rund 15 % des BIP aus, sodass sich die wichtigsten makroökonomischen Auswirkungen in der Außenbilanz bemerkbar machten. Der starke Anstieg der Kakaopreise um 50% konnte den Rückgang der Exportmengen aufgrund der wetterbedingt schwächeren Ernte nicht vollständig ausgleichen, so dass sich Leistungsbilanzdefizit von 1,7 % des BIP im Jahr 2015 auf 3,0 % im Jahr 2016 ausweitete.

Die Entwicklung im Jahr 2016 verdeutlicht jedoch auch, warum die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Elfenbeinküste voraussichtlich beherrschbar bleiben dürften. Anders als in Ecuador ist der Übertragungskanal enger gefasst und konzentriert sich auf ein einziges Exportgut, anstatt breit angelegte Schäden in den Bereichen Infrastruktur, Fischerei und Verkehrsnetze zu verursachen.

Im Gegensatz zu Ecuador konzentrieren sich die wirtschaftlichen Auswirkungen auf einen einzelnen Exportsektor, anstatt breit angelegte Schäden in den Bereichen Infrastruktur, Fischerei und Transportnetze zu verursachen.

Höhere Kakaopreise gleichen die geringeren Produktionsmengen teilweise aus. In den letzten Jahren hat der Kaffee- und Kakao-Rat (CCC) des Landes den Anteil der im Terminverkauf veräußerten Kakaomengen reduziert, wodurch die Außenbilanz dem Anstieg der Spotpreise besser folgen kann. Während eine schwächere Kakaoernte das Leistungsbilanzdefizit vergrößern wird, dürften die fiskalischen und außenwirtschaftlichen Auswirkungen daher durch eine stärkere Partizipation an den Spotpreisen abgefedert werden.

Abschließende Gedanken……

Die Lehre aus El Niño lautet, dass das Wetter selten die ganze Geschichte erzählt.

Zwei Länder können mit demselben klimatischen Schock konfrontiert sein und dennoch sehr unterschiedliche wirtschaftliche Folgen erleben. Was letztendlich zählt, ist nicht nur das Ausmaß der Anfälligkeit, sondern die Widerstandsfähigkeit. Starke Außenbilanzen, solide Reserven und glaubwürdige politische Rahmenbedingungen können Ländern helfen, vorübergehende Störungen zu überstehen und sich zu erholen, sobald sich die Lage wieder normalisiert.

Für Anleger in Schwellenländern ist dies eine zeitgemäße Erinnerung daran, dass die Fundamentaldaten eines Landes nach wie vor weitaus wichtiger sind als die Schlagzeilen.