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Emerging Market Debt

Schwellenländeranleihen: Risiken, Chancen und Ausblick

Welche EMD-Trends werden das Jahr 2026 prägen? Erfahren Sie, wo die größten Chancen liegen, welche Risiken zu beachten sind und warum aktive Anleger im Vorteil sein könnten.

Autor
Head of Emerging Market Debt
Abstract graphic to indicate Emerging Markets using the flags of some key EM countries.

Dauer: 8 Minuten

Datum: 12. Jän. 2026

Wir investieren seit über 30 Jahren in Schwellenländeranleihen (EMD) und verfügen über umfassende Erfahrung sowohl in schnell wachsenden Frontier Markets als auch in etablierten EM-Volkswirtschaften – sowohl auf Unternehmens- als auch Staatsanleihenebene.

Was sind also die Chancen, Risiken, Innovationen und Trends bei EMD-Investitionen heute? Lesen Sie unser ausführliches Interview mit Siddharth Dahiya, Global Head of EMD, um mehr zu erfahren.

Warum sollten Anleger 2026 Schwellenländeranleihen in Betracht ziehen und was sind einige der attraktivsten Chancen?

Schwellenländeranleihen (EMD) starten gut in das Jahr 2026. Wir beobachten eine Reihe positiver Entwicklungen in dieser Anlageklasse. So erleben beispielsweise Staatsanleihen in Hartwährung eine Welle von Rating-Upgrades, die den jahrzehntelangen Trend der Herabstufungen umkehrt. Diese Veränderung signalisiert eine Verbesserung der Fundamentaldaten und eine wachsende Widerstandsfähigkeit vieler Schwellenländer.

Aber auch Schwellenländeranleihen in Lokalwährung stechen hervor. Trotz einiger jüngster Abwertungen bleibt der US-Dollar teuer, was bedeutet, dass die Renditen von Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer relativ attraktiv sind. Dieses Umfeld bietet Anlegern das Potenzial für Erträge und Währungsaufwertungen – eine Kombination, die auf den heutigen Märkten relativ selten ist.

Auf Unternehmensseite sind die Fundamentaldaten robust. Die Bilanzen der Unternehmen in den Schwellenländern sind so stark wie seit der globalen Finanzkrise nicht mehr, was insbesondere auf umsichtiges Management und günstige technische Faktoren zurückzuführen ist. Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen aus Schwellenländern übersteigt derzeit das Angebot, was sich in soliden Renditen für Anleger niederschlägt.

Auch die Frontier Markets – von der goldgetriebenen Erholung Ghanas bis zu den Reformfortschritten Ägyptens – sind vielversprechend. Viele sind gestärkt aus den Turbulenzen der Pandemie hervorgegangen. Die Haushaltsdisziplin hat sich verbessert, die Devisenreserven sind gestiegen und die Schuldenprofile sind nachhaltiger. 

Kurz gesagt, EMD profitiert von einer Reihe positiver Faktoren in der gesamten Anlageklasse – was es zu einer zeitgemäßen und gut diversifizierten Anlagemöglichkeit für Anleger macht.

Wie wird sich die EMD-Landschaft Ihrer Meinung nach in den nächsten 12 Monaten entwickeln?

Wir sehen dieses Jahr eher als eine Phase mit stetigem Momentum denn als eine Zeit dramatischer Veränderungen. Was uns auffällt, ist das wachsende Interesse an Lokalwährungsanleihen, insbesondere in Frontier-Märkten, die bisher kaum Beachtung fanden. Die Anleger werden langsam aufmerksam, angezogen von den sich verbessernden Fundamentaldaten und attraktiven Renditen dieser Märkte.

Nach mehreren Jahren mit erheblichen Abflüssen sehen wir nun wieder Nettozuflüsse – eine Veränderung, die das wiedergewonnene Vertrauen in diese Anlageklasse widerspiegelt. Wir gehen davon aus, dass sich diese positive Dynamik in absehbarer Zukunft fortsetzen wird.

Welche Frontier Markets weisen besonderes Potenzial auf – und wo liegen die Risiken?

Frontier-Märkte bieten vielfältige Chancen, die jeweils mit ganz eigenen Herausforderungen verbunden sind. Die Risiken hängen hier weniger mit allgemeinen globalen, makroökonomischen Schocks als vielmehr mit länderspezifischen Faktoren zusammen. So sind beispielsweise einige Frontier-Volkswirtschaften stark von Ölexporten abhängig, was sie anfällig für Preisschwankungen macht. 

Wir haben in diesem Jahr bereits gesehen, wie die USA den ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festgenommen haben. Venezuela ist seit 2017 zahlungsunfähig, und obwohl die Anleihen als Reaktion auf diese Nachricht einen Aufschwung erlebten, werden sie weiterhin deutlich unter pari gehandelt. Der letztendliche Rückzahlungswert dieser Anleihen dürfte angesichts des potenziellen, mit den Ölvorräten verbundenen Aufwärtspotenzials höher sein als die aktuellen Marktpreise. 

Auch anderswo gibt es viel Grund zur Freude. Nehmen wir Ghana. Die jüngste Umstrukturierung war ein Erfolg und der Goldboom hat zu einem Überschuss in der Leistungsbilanz geführt und die Devisenreserven auf über 11 Milliarden US-Dollar ansteigen lassen. Auch Ägypten und Nigeria sind bemerkenswert, da disinflationäre Trends und hohe lokale Renditen attraktive Realrenditen schaffen. 

Das Frontier-Universum bietet also Chancen auf breiter Front – von leistungsstarken Dollar- und Lokalwährungskrediten bis hin zu notleidenden Unternehmen mit Turnaround-Potenzial. Der Schlüssel liegt darin, die einzigartige Geschichte und das Risikoprofil jedes Marktes zu verstehen.

Gibt es thematische Strategien innerhalb der Anteilsklasse, auf die Anleger achten sollten?

Mehrere Themen prägen die EMD-Landschaft. Die Unterscheidung zwischen Ölexporteuren und -importeuren bleibt wichtig, ebenso wie die Auswirkungen globaler Zölle und der anhaltende Trend zum Nearshoring. 

Geopolitische Entwicklungen, wie eine mögliche Lösung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine, könnten transformativ sein. Ein Waffenstillstand oder Friedensabkommen würde wahrscheinlich erhebliche multilaterale Unterstützung und Investitionen auslösen, insbesondere in der Ukraine. Es könnte auch die Energiepreise beeinflussen und den Schwellenländern zugutekommen, in denen die Energiekosten die Inflation angeheizt haben.

Zölle haben sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorgebracht. So sollte beispielsweise Mexiko vom bevorzugten Zugang im Rahmen des USMCA-Handelsabkommens profitieren, wobei diese Gewinne doch aufgrund fehlender Folgeinvestitionen voraussichtlich begrenzt bleiben. Indien, das mit hohen Zöllen konfrontiert ist, ist aufgrund seiner relativ geschlossenen Wirtschaft und seiner auf zollfreie Dienstleistungen statt auf Waren ausgerichteten Exporte weniger stark betroffen.

Wie gewichten Sie in der aktuellen Situation das Engagement in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen?

Wir glauben, dass sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen in einem gut konstruierten Portfolio eine wichtige Rolle spielen. Staatsanleihen bieten eine größere Streuung der Ratings und damit Zugang zu höher verzinslichen Anlagemöglichkeiten, während Unternehmensanleihen tendenziell eine höhere Qualität aufweisen und einen größeren Anteil an Emittenten mit Investment-Grade-Rating haben.

Staatsanleihen haben in der Regel eine längere Laufzeit und reagieren daher empfindlicher auf Zinsänderungen. Angesichts der erwarteten Zinssenkungen könnten Staatsanleihen eine Outperformance erzielen. Umgekehrt können Unternehmensanleihen bei steigenden Zinsen oder zunehmender Volatilität defensive Eigenschaften bieten.

Anleger können diese Segmente mischen und die Zusammensetzung an die Marktbedingungen und ihre Ziele anpassen. Diese Diversifizierung hilft, Risiken zu steuern und Chancen im gesamten EMD-Spektrum zu nutzen.

Welche Rolle spielt das Währungsrisiko für die Renditen von EMD und wie steuern Sie das Wechselkursrisiko?

Währungsschwankungen sind ein wichtiger Faktor für EMD, insbesondere in lokalen Märkten. Im vergangenen Jahr trug die Aufwertung gegenüber dem Dollar erheblich zur Performance bei. Anleger können sowohl von Währungsgewinnen als auch von Renditeeinbußen in lokalen Märkten profitieren. Wenn der Dollar weiter schwächelt, dürften EMD in lokaler Währung attraktiv bleiben.

Das Management des Wechselkursrisikos ist insbesondere für Unternehmensemittenten von entscheidender Bedeutung. Wir achten sehr genau auf das Währungsrisiko von Unternehmen und bevorzugen solche mit natürlichen Absicherungen, beispielsweise wenn sowohl die Einnahmen als auch die Verbindlichkeiten auf Dollar lauten. Wenn keine natürlichen Absicherungen vorhanden sind, legen wir Wert auf robuste synthetische Absicherungsstrategien, um das Risiko zu mindern. Letztendlich kommt es auf Disziplin an und darauf, dass Ihr Portfolio plötzliche Währungsschwankungen überstehen kann. 

Wie wirken sich Ihrer Meinung nach globale geldpolitische Veränderungen – insbesondere mögliche Zinssenkungen – auf die Performance von EMD aus?

Globale Zinssenkungen sind eine gute Nachricht für EMD. Niedrigere risikofreie Zinsen erhöhen die Attraktivität von Märkten mit höheren Renditen wie den Schwellenländern und ermutigen Anleger, zusätzliche Carry-Erträge zu suchen. Wenn US-Staatsanleihen niedrigere Renditen bieten, steigt der Anreiz, in EMD zu investieren, was zu Zuflüssen führt und die Performance stützt.

Lockere finanzielle Bedingungen bedeuten auch, dass mehr Kapital für Schwellenländer verfügbar ist, was oft zu einem positiven Kreislauf aus Investitionen und Wachstum führt. Darüber hinaus üben Zinssenkungen in der Regel einen Abwärtsdruck auf den US-Dollar aus, was die Renditen von EMD-Strategien in lokaler Währung weiter steigern kann.

Welche Katalysatoren könnten im nächsten Jahr Wertpotenziale bei EMD freisetzen?

Da gibt es viele. Länderspezifische Reformen, erfolgreiche Umstrukturierungen und geopolitische Entwicklungen könnten allesamt eine Rolle spielen. Auch die zunehmende Aufmerksamkeit der Anleger und die Kapitalzuflüsse sind wichtig. Obwohl die Schwellenländer etwa die Hälfte des globalen Wachstums ausmachen, haben sie in den meisten Portfolios nach wie vor nur einen geringen Anteil. Eine langfristige Verlagerung hin zu größeren Schwellenländerallokationen könnte für Anleger erhebliche Wertsteigerungen mit sich bringen.

Welche Allokationsstrategien sind für Anleger, die derzeit EMD in Betracht ziehen, sinnvoll – aktiv oder passiv, Hartwährung oder Lokalwährung?

Aktives Management ist am sinnvollsten. Die Anlageklasse ist vielfältig und weist idiosynkratische Merkmale auf. Zugleich zeigt die Evidenz, dass aktive Manager passive Ansätze über längere Zeiträume durchweg übertreffen. In einem so komplexen Markt bieten eine geschickte Titelauswahl, Risikobewertung und Länderanalyse einen bedeutenden Mehrwert, den passive Engagements einfach nicht bieten können.

Die Wahl zwischen Hartwährung und Landeswährung hängt von der Risikotoleranz ab. Landeswährungen bieten ein größeres Potenzial, sind jedoch mit einer höheren Volatilität verbunden, während Hartwährungen defensive Eigenschaften aufweisen können, insbesondere in Investment-Grade-Segmenten. 

Die gute Nachricht? Alle Bereiche der EMD haben in diesem Jahr etwas zu bieten, sodass Anleger ihre Allokationen auf ihre Ziele und Markteinschätzungen zuschneiden können.

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Wir bieten Anlageexpertise in allen wichtigen Anlageklassen, Regionen und Märkten, damit unsere Kunden Anlagepotenziale nutzen können, wo immer sie sich ergeben.