Insights
Emerging Market DebtSchwellenländeranleihen: Mythos versus Marktrealität
Kann EMD weiterhin die Erwartungen übertreffen?
Autor
Leo Morawiecki
Investment Specialist, Fixed Income, Aberdeen

Dauer: 4 Minuten
Datum: 23. Feb. 2026
Schwellenländeranleihen (EMD) sind gut in das Jahr 2026 gestartet. In dieser Anlageklasse beobachten wir eine Reihe positiver Entwicklungen. So erleben beispielsweise Staatsanleihen in Hartwährung eine Welle von Rating-Upgrades, die den jahrzehntelangen Trend der Herabstufungen umkehrt.
Gleichzeitig senkt die US-Notenbank die Zinsen, und die Wachstumsprognosen für Schwellenländer im Vergleich zu Industrieländern verbessern sich. Dies dürfte sich positiv auf Vermögenswerte in Schwellenländern auswirken.
Einige Anleger sind nach wie vor der Ansicht, dass EMD eine von Natur aus risikoreiche Anlageklasse mit weniger attraktiven Renditen sind. Betrachten wir daher die Renditen im Jahr 2025 und vergleichen wir diese in Schwellenländern mit denen in Industrieländern.
Abbildung 1: Gesamtrenditen für Schwellenländer und Industrieländer im Jahr 2025 in Prozent (GBP-abgesichert)
Anleihen aus Schwellenländern haben sich 2025 deutlich besser entwickelt als solche aus Industrieländern (siehe Abbildung 1 und 2). Die gute Nachricht ist, dass wir davon ausgehen, dass die Renditen in den Schwellenländern auch weiterhin besser sein werden als in den Industrieländern.
Abbildung 2: Renditen für Schwellenländer und Industrieländer im Jahr 2025, in Prozent
Staatsanleihen in Hartwährung: Aufschwung
Auch wenn die Renditen von Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern zurückgegangen sind, bieten sie immer noch höhere Erträge als US-Hochzinsanleihen (HY). Entscheidend ist, dass viele Regierungen von Schwellenländern wieder Zugang zu den globalen Anleihemärkten erhalten haben und Investoren aus dem gesamten Kreditspektrum erneut verstärktes Interesse zeigen.
Diese Kombination hat dazu beigetragen, die Nachfrage anzukurbeln und die jüngste Performance zu stützen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser positive Trend 2026 fortsetzen wird. Die Forntier Markets sind vielversprechend. Viele sind gestärkt aus den Turbulenzen der Pandemie hervorgegangen.
Von der goldgetriebenen Erholung Ghanas bis zu den Reformfortschritten Ägyptens haben sich die Staatsausgaben verbessert, die Devisenreserven sind gesünder und die Schuldenprofile nachhaltiger. Nur wenige Frontier-Volkswirtschaften verzeichnen große Handelsüberschüsse mit den USA, was bedeutet, dass die Renditen stärker von den inländischen Bedingungen bestimmt werden. Auf Indexebene liegen die Renditen von Frontier Markets‑Anleihen weiterhin bei attraktiven 9,1 % [1].
Unternehmensanleihen aus Schwellenländern in Hartwährung: alles läuft wie gewohnt
Auf Unternehmensseite sind die Fundamentaldaten robust. Auf Indexebene weist die Anlageklasse im Durchschnitt ein Investment-Grade-Rating auf. Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen aus Schwellenländern übersteigt derzeit das Angebot, was zu soliden Renditen für Anleger geführt hat. In den letzten Jahren hat sich das Verhalten der Unternehmen aus Schwellenländern zudem nicht in Richtung einer aggressiven Kapitalmarktstrategie bewegt. Dies spiegelt sich in den Verschuldungsniveaus wider, die auf dem niedrigsten Stand seit 2008 sind und weiterhin unter denen ihrer europäischen und US-amerikanischen Pendants liegen.
Bei Investments in Unternehmensanleihen aus Schwellenländern bevorzugen wir Unternehmen, die in einem Land mit einem High Yield- Rating tätig sind. Diese Unternehmen verfügen oft über eine solidere Bilanz als Unternehmen aus Industrieländern. Anleger werden mit einer höheren Rendite entschädigt, investieren aber in Unternehmen mit besseren Fundamentaldaten.
Auf Indexebene sind die Renditen von Schwellenländer-Unternehmensanleihen gesunken und liegen nun knapp unter 6 % [1]. Die Bewertungen am HY-Markt erscheinen jedoch im Vergleich zu den Industrieländern attraktiv – HY-Unternehmensanleihen aus Schwellenländern weisen derzeit eine Rendite von 7,5 % auf, gegenüber 7 % für US-HY.
Anleihen aus Schwellenländern in lokaler Währung: weiteres Aufwärtspotenzial
Trotz der jüngsten Abwertung bleibt der US-Dollar teuer, was bedeutet, dass die Renditen an den lokalen Märkten der Schwellenländer attraktiv sind. Dieses Umfeld bietet Anlegern Potenzial sowohl für Erträge als auch Währungsgewinne – eine Kombination, die an den heutigen Märkten relativ selten ist.
Innerhalb des viel beachteten JP Morgan EM Local Currency Index gehen wir davon aus, dass acht bis zehn der Zentralbanken im Jahr 2026 weiterhin Zinssenkungen vornehmen werden. Auch in Frontier Markets-Ländern besteht Spielraum für Zinssenkungen - insbesondere dort, wo die Zentralbanken zur Bekämpfung der Inflation starke Zinserhöhungen vorgenommen haben und die Zinsen nun sehr hoch sind (Nigeria, Ghana, Ägypten und Kasachstan). Wir bleiben in unseren Lokalwährungs-Portfolios auf Renditeausrichtung fokussiert. Wir sind in niedrig verzinsten Ländern in Asien untergewichtet und in Ländern mit höheren Renditen in Lateinamerika, Europa, dem Nahen Osten und Afrika übergewichtet.
Abschließende Gedanken…
Schwellenländeranleihen bieten Anlegern Diversifizierung, attraktive Erträge und ein Engagement in schneller wachsenden Volkswirtschaften. Nach einem sehr starken Jahr 2025 bleiben die Renditen im Vergleich zu Anleihen aus Industrieländern attraktiv. Für Anleger, die über traditionelle globale Anleihen hinaus nach Erträgen und Diversifizierung suchen, bieten die Schwellenländer eine attraktive Gelegenheit.
- 1. 31. Januar 2026, JP Morgan.




