
Befürchtungen vor einer Tech-Blase? Folge dem Cashflow
Meine Einschätzung: US-Tech-Unternehmen geben viel Geld aus. Asiatische Chiphersteller profitieren davon
Duration: 3 Minuten
Datum: 15. Okt. 2026
US-Hyperscaler (Technologiegiganten wie Microsoft) investieren Hunderte von Milliarden Dollar in Rechenzentren, Chips und Strominfrastruktur. Das hat zu einer starken Performance ihrer Zulieferer geführt – führender asiatischer Technologieunternehmen wie Samsung Electronics und SK Hynix.
Das mag wie ein einziger KI-Trade aussehen, doch die Investitionsausgaben des einen Unternehmens sind der Umsatz des anderen. Ihre Aktienkurse mögen sich zwar parallel entwickeln, ihre wirtschaftlichen Grundlagen jedoch nicht.
Wie können Anleger sie also voneinander unterscheiden? Ich beginne mit der Cash-Generierung.
Ein KI-Trend, zwei unterschiedliche Realitäten
Die Hyperscaler kaufen heute riesige Mengen an Rechenkapazität ein, müssen aber erst noch beweisen, dass KI morgen eine angemessene Rendite für diese Investition erzielen wird. Die Zulieferer hingegen sehen diese Ausgaben bereits in ihren Umsätzen, Gewinnen und Cashflows zum Tragen kommen.
Das macht asiatische Hardware-Unternehmen jedoch nicht risikofrei. Die Halbleiterbranche bleibt zyklisch. Kunden können Aufträge kürzen, das Angebot kann aufholen, und die derzeit außergewöhnlich hohen Margen werden nicht ewig anhalten. Ich denke jedoch, dass die Frage, wie lange der Boom anhalten wird, etwas ganz anderes ist als die Frage, ob er überhaupt eintreten wird.
Ich würde lieber Unternehmen besitzen, die die Nachfrage bereits in Cashflow umwandeln
Der Cashflow offenbart die Kluft
Viele asiatische Halbleiterunternehmen erzielen steigende Gewinne und bauen stärkere Netto-Cash-Positionen auf. Gleichzeitig gerät der freie Cashflow mehrerer Hyperscaler unter Druck, da die Investitionsausgaben zunehmen. Das sich abschwächende Cashflow-Profil der Käufer ist in vielerlei Hinsicht das Spiegelbild des sich verstärkenden Profils der Zulieferer.
Dies ist von Bedeutung, wenn das Umfeld weniger nachsichtig wird – sei es aufgrund strukturell höherer Zinsen, schwächerem Wirtschaftswachstum oder nachlassender Begeisterung für KI-Infrastruktur. In einem solchen Umfeld wird die Bilanzstärke zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ich würde lieber Unternehmen besitzen, die die Nachfrage bereits in Cashflow umwandeln, als solche, die sich noch auf eine zukünftige Monetarisierung verlassen, um die heutigen Kreditaufnahmen und Ausgaben zu rechtfertigen.
Koreas liquiditätsstarke Chiphersteller
Ich denke, Koreas führende Speicherchip-Hersteller veranschaulichen diesen Punkt. Samsung Electronics und SK Hynix profitieren von einer robusten Nachfrage nach fortschrittlichen Speicherchips und bauen gleichzeitig erhebliche Liquiditätsreserven auf. Die Verbesserung der Corporate-Governance in Korea trägt zudem dazu bei, dass ein größerer Teil dieser Liquidität über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anleger zurückfließt. Für mich vereint dies einen starken Branchenzyklus, solidere Bilanzen und einen potenziell stärker auf die Aktionäre ausgerichteten Ansatz bei der Kapitalallokation.
Wer wurde bereits belohnt?
Der Markt mag Hyperscaler und asiatische Hardware-Zulieferer weiterhin über einen Kamm scheren. Doch ich halte das für zu vereinfachend. Dabei wird ein entscheidender Unterschied übersehen: zwischen den Unternehmen, die den Boom finanzieren, und denen, die davon profitieren.
Ich beobachte derzeit, ob die Aufträge der Zulieferer und die Liquiditätsumwandlung stabil bleiben, falls die Ausgaben der Hyperscaler nachlassen sollten. Diese Risiken erscheinen auf absehbare Zeit gering und beherrschbar. Ich beobachte auch, wie die kapitalstarken Hardware-Unternehmen ihr Kapital zwischen Aktionärsrenditen, Mitarbeitern und Investitionen – wie Forschung und Entwicklung sowie zusätzliche Kapazitäten – aufteilen. Die richtige Balance zu finden, wird entscheidend sein, um ihren Wettbewerbsvorteil langfristig aufrechtzuerhalten.
Bis dahin ist die nützlichste Frage nicht, ob ich KI für eine Blase halte. Mich interessiert vielmehr, welche Unternehmen den Boom in Cash umwandeln.
Über den Autor
Paolo Tamburrini
Paolo ist Anlagespezialist für Aktien bei Aberdeen und unterstützt die Aktien-Teams für Schwellenländer, Asien und China.
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