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High Yield: Warum laufende Erträge wichtiger sind als viele Anleger denken

Die Rendite von Hochzinsanleihen wird überwiegend durch Kuponerträge bestimmt. Doch übersehen Anleger das Offensichtliche?

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Head of Global High Yield
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Duration: 4 Minuten

Datum: 03. Sept. 2026

Ein altes Sprichwort, das seinen Ursprung in der mittelalterlichen Falknerei hat, besagt: „Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach.“ 

Mit anderen Worten: Ein sicherer Gewinn kann wertvoller sein als ein größerer, aber unsicherer.

Mittelalterliche Falkner bauten zwar keine Hochzinsportfolios auf, doch diese Idee ist für heutige Anleiheinvestoren nützlich.

Hochzinsanlagen ziehen oft Aufmerksamkeit auf sich, weil sie vom Potenzial profitieren können, das sich aus einer Verbesserung der Unternehmensfundamentaldaten und sich verengenden Credit Spreads ergibt – also dem Renditeaufschlag, den eine Unternehmensanleihe gegenüber einer vergleichbaren Staatsanleihe bietet. 

Doch einer der wichtigsten Renditetreiber dieser Anlageklasse findet weitaus weniger Beachtung: die laufenden Kuponerträge. Das könnte ein Versäumnis sein.

 

Die übersehene Renditequelle

Die Gesamtrenditen von Hochzinsanleihen stammen aus drei Hauptquellen: Kuponerträge, Veränderungen der Kreditspreads und manchmal auch Schwankungen der Renditen von Staatsanleihen. 

Kreditspreads können volatil sein und spiegeln unternehmensspezifische Entwicklungen sowie allgemeine Verschiebungen der Marktstimmung wider. Die Renditen von Staatsanleihen haben – außer unter extremen Umständen – weniger Einfluss auf die Renditen von Hochzinsanleihen.

Bei den Kuponerträgen verhält es sich anders. Sie sind besser vorhersehbar und fallen auch dann weiter an, wenn die Märkte Phasen der Volatilität durchlaufen.

Die Bedeutung dieses Unterschieds wird deutlich, wenn man die historischen Treiber der Renditen von Hochzinsanleihen betrachtet (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Kuponerträge waren der Haupttreiber der langfristigen Renditen von Hochzinsanleihen

Die Kuponerträge leisteten den größten Beitrag und trugen dazu bei, Phasen auszugleichen, in denen sich die Spreads ausweiteten oder sich die Renditen von Staatsanleihen zu Ungunsten der Anleger entwickelten. 

Das langfristige Renditeprofil dieser Anlageklasse wurde weniger von gelegentlichen Neubewertungen am Markt als vielmehr von der stetigen Ansammlung von Erträgen bestimmt. 

Das ist im aktuellen Umfeld von Bedeutung.

Anleger konzentrieren sich weiterhin auf Erträge, und das verständlicherweise. Die Aktienbewertungen sind im historischen Vergleich hoch, während Bargeld und Staatsanleihen möglicherweise keine ausreichenden Erträge für Anleger bieten, die Renditen jenseits des niedrigen einstelligen Bereichs anstreben. 

Hochzinsanleihen bieten eine alternative Ertragsquelle innerhalb einer Anlageklasse, die zur Gesamtrendite beitragen kann. 

 

Warum eine höhere Rendite nicht immer besser ist

Die Bedeutung von Kuponerträgen anzuerkennen, ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Empfehlung, einfach nur nach den höchsten Renditen zu suchen.

In der Praxis kann dieser Ansatz Anleger in Marktsegmente führen, in denen erhöhte Renditen eher ein erhöhtes Ausfallrisiko widerspiegeln als eine falsch bewertete Chance. 

Ein hoher Kupon kann attraktiv sein, doch wenn Kapitalverluste oder Ausfälle folgen, können diese Vorteile schnell verfliegen.

Die Herausforderung besteht daher nicht darin, die Rendite um jeden Preis zu maximieren. Vielmehr gilt es, Emittenten zu identifizieren, die attraktive Erträge bieten und gleichzeitig ein Kreditprofil aufweisen, das stabil erscheint oder sich verbessert.

Die fundamentale Kreditanalyse bleibt dabei von zentraler Bedeutung.

 

Der „Sweet Spot“ des Marktes

Unser Anlageprozess unterteilt das Anlageuniversum anhand der Kreditspreads in Dezile – 10 gleich große Gruppen. Anschließend vergleichen wir verschiedene Marktsegmente und bewerten, wo sich im Verhältnis zu den eingegangenen Risiken die überzeugendsten Ertragsmöglichkeiten bieten.

Diese Vorgehensweise verdeutlicht ein wichtiges Merkmal des Marktes. An einem Ende stehen Anleihen mit relativ geringen Erträgen, die die Portfoliorendite verwässern können. Am anderen Ende stehen Anleihen mit den höchsten Spreads, bei denen Anleger aber möglicherweise ein erhebliches Kreditrisiko eingehen.

Zwischen diesen Extremen liegt ein attraktiveres Spektrum an Anlagemöglichkeiten.

Unsere Analyse deutet darauf hin, dass die Dezile sieben bis neun einen bedeutenden Renditevorteil gegenüber dem breiteren High-Yield-Universum bieten könnten, ohne Anleger zwangsläufig in das risikoreichste Segment des Marktes zu drängen (siehe Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Die größten Ertragschancen liegen zwischen den Marktextremen

Diese Bereiche können Zugang zu attraktiven Kuponerträgen bieten und gleichzeitig das Engagement in Emittenten begrenzen, bei denen die Spreads auf eine wesentlich höhere Ausfallwahrscheinlichkeit hindeuten könnten. 

Das Ziel besteht nicht einfach darin, die Anleihen mit den höchsten Renditen zu kaufen. Vielmehr geht es darum, Unternehmen zu identifizieren, bei denen die angebotenen Erträge im Verhältnis zum zugrunde liegenden Kreditrisiko attraktiv erscheinen.

Das bringt uns zurück zum Sprichwort „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“.

Die Aussicht auf eine Verengung der Spreads mag verlockend sein, bleibt aber ungewiss. Kuponerträge hingegen sind greifbarer. Auch wenn Marktzyklen weiterhin Gewinner und Verlierer hervorbringen werden, deuten die Daten darauf hin, dass Kuponerträge in der Vergangenheit der wichtigste Faktor für langfristige, hochverzinsliche Renditen waren. 

Für ertragsorientierte Anleger lautet die Lehre ganz einfach: Erfolg ist kaum zu erwarten, wenn man den höchsten Renditen hinterherjagt. Vielmehr wird er dadurch erzielt, dass man Anleihen identifiziert, die attraktive Kuponerträge bieten, und dabei einen disziplinierten Ansatz beim Kreditrisiko beibehält.

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