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Private Märkte

Private Markets: Eine Verlagerung von Momentum hin zu Selektivität

Private Markets verändern sich rasant. Da wertungsgetriebene Renditen immer unzuverlässiger werden, stellt sich die Frage: Woher kommen die Renditen nun?

Image shows a stylised montage of private markets investments

Dauer: 6 Minuten

Private Markets treten in eine neue Phase ein. 

Nach einer Phase, die von steigenden Bewertungen, günstigem Kapital und reichlich vorhandener Liquidität geprägt war, verlagert sich der Fokus nun auf Fundamentaldaten, Erträge und eine disziplinierte Anlageauswahl.

Unser aktueller Private Markets House View“ deutet auf ein selektiveres, von Streuung geprägtes Umfeld hin, in dem die Chancen weiterhin attraktiv sind – sich jedoch zunehmend auf hochwertige Vermögenswerte, widerstandsfähige Cashflows und strukturelle Wachstumsthemen konzentrieren.

Ein unsichereres makroökonomisches Umfeld

Ausgangspunkt ist eine globale Wirtschaft, die sich zwar verlangsamt, aber widerstandsfähig ist. Das Wachstum bleibt in den wichtigsten Volkswirtschaften intakt: Für die USA wird 2026 ein Wachstum von rund 2,2 % erwartet, für China rund 4,8 % und für Indien fast 6,8 % [1].

Inflationsdruck, geopolitische Risiken und divergierende politische Kursen sorgen jedoch weiterhin für Volatilität. Die jüngsten Spannungen an den Energiemärkten haben die Unsicherheit verstärkt, auch wenn die lockere Geldpolitik allmählich für etwas Unterstützung sorgt.

In diesem Umfeld spielen private Märkte als Quelle stabiler Erträge und langfristiger struktureller Engagements eine entscheidende Rolle in den Portfolios.

Private Equity: stabile Bewertungen, aber ein schmalerer Markt

Die Transaktionsaktivität im Bereich Private Equity schwächte sich zu Beginn des Jahres 2026 ab. Das Transaktionsvolumen in den USA sank im Vergleich zum Vorquartal um 18,3 % auf 260,2 Mrd. US-Dollar, während es in Europa um 22,5 % zurückging [2].

Doch hinter den Schlagzeilenzahlen verbirgt sich ein differenzierteres Bild [3]:

  • Add-on-Akquisitionen machen mittlerweile 71,4 % der europäischen Buyouts aus – ein Zehnjahreshoch.

  • Die Bewertungen bleiben weltweit mit einem EV/EBITDA von 12,6 stabil – ein Zeichen für die anhaltende Nachfrage nach hochwertigen Vermögenswerten.

  • Die Dynamik bei der Kapitalbeschaffung verschiebt sich, wobei Sekundärtransaktionen rund 19 % der Aktivitäten im ersten Quartal (Q1) ausmachten (siehe Abbildung 1). 

Abbildung 1: Entwicklung des Anteils von Private-Equity-Kapitalbeschaffung und Sekundärtransaktionen im Zeitverlauf

Quelle: Preqin, Mai 2026.

Kurz gesagt: Der Markt wird selektiver. Das Kapital konzentriert sich auf hochwertige Vermögenswerte, die oft über „Bolt-on“-Strategien statt über große, medienwirksame Transaktionen erworben werden.

Entscheidend ist, dass die Renditen immer weniger von einer Multiplikatorausweitung abhängen. Stattdessen werden die Branchenauswahl, die operative Wertschöpfung und eine disziplinierte Einstiegspreisgestaltung zu immer wichtigeren Performance-Treibern.

Private Credit: Die Bedingungen wenden sich zugunsten der Kreditgeber

Private Kredite gehören nach wie vor zu den strukturell am stärksten gestützten Bereichen der privaten Märkte. Da sich die Banken weiterhin zurückziehen, übersteigt die Nachfrage nach flexiblem Kapital nach wie vor das Angebot.

Obwohl sich die Aktivität verlangsamt hat – im ersten Quartal belief sich das Volumen der Direktkredite in den USA auf 71 Milliarden US-Dollar bei 199 Transaktionen –, sind die Bedingungen für Kreditgeber attraktiver geworden [4].

Dabei fallen mehrere Trends besonders auf:

  • Die Renditeaufschläge gegenüber Referenzzinssätzen wie dem EURIBOR bleiben in Europa mit rund 509 Basispunkten auf hohem Niveau [5].  

  • Die Preisstreuung nimmt zu, was eine stärkere Differenzierung zwischen stärkeren und schwächeren Kreditnehmern widerspiegelt.

  • Die Ausfallraten sind nur moderat gestiegen und erreichten im ersten Quartal 2026 2,73 %, gegenüber 1,84 % im dritten Quartal 2025 [6]. 

Das Chancenpotenzial ist nach wie vor besonders groß im Mittelstand und bei komplexeren Kreditvergabe-Szenarien, wo eine disziplinierte Kreditprüfung dazu beitragen kann, attraktive risikobereinigte Renditen zu erzielen.

Infrastruktur: Erträge stehen im Mittelpunkt

Der Infrastruktursektor profitiert weiterhin von starken strukturellen Impulsen, insbesondere der Energiewende und der Digitalisierung.

Das weltweite Transaktionsvolumen erreichte im ersten Quartal 2026 rund 327 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von etwa 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht [7]. Die Art der Renditen verändert sich jedoch.

Da die Zinssätze höher sind als im vorangegangenen Zyklus, werden die Renditen zunehmend durch vertraglich vereinbarte oder regulierte Cash-Erträge bestimmt und weniger durch Bewertungssteigerungen. Diese Verschiebung zeigt sich auch in den Bewertungen: Core-Plus-Infrastruktur-Anlagen werden derzeit mit einem EV/EBITDA-Verhältnis von rund 13,6 gehandelt und liegen damit unter ihrem 10-Jahres-Durchschnitt von 14,8 [8].

Gleichzeitig konzentriert sich die Kapitalbeschaffung zunehmend [9]:

  • Derzeit sind rund 733 Fonds auf dem Markt, die ein Kapitalvolumen von 567 Milliarden US-Dollar anstreben.

  • Auf die Top-10-Fonds entfallen 40 % des angestrebten Kapitals. 

Dies spiegelt einen allgemeinen Trend wider: Investoren bevorzugen Größe, Widerstandsfähigkeit und etablierte Manager, insbesondere in Sektoren, die mit Elektrifizierung, digitaler Infrastruktur und systemrelevanten Dienstleistungen verbunden sind.

Immobilien: Erholung, aber uneinheitlich

Der Immobiliensektor erholt sich allmählich, doch der Aufschwung verläuft weiterhin uneinheitlich und ist stark vom jeweiligen Sektor abhängig.

Das Transaktionsvolumen erreichte im ersten Quartal 2026 weltweit 216 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 18 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, wobei im asiatisch-pazifischen Raum ein starkes Wachstum zu verzeichnen war [10].

Gleichzeitig kehren die Kapitalströme selektiv zurück [11]:

  • Die grenzüberschreitenden Investitionen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 % auf 55 Milliarden US-Dollar.

  • Investoren aus dem asiatisch-pazifischen Raum machen mittlerweile fast 38 % der weltweiten Kapitalströme aus. 

Die Mittelbeschaffung bleibt jedoch schwach, und die Wertentwicklung polarisiert sich zunehmend. Die Renditeabstände gegenüber Anleihen haben sich verringert – in Europa auf rund 150 Basispunkte –, wodurch sich der Spielraum für Anleger verringert hat [12].

Infolgedessen hängen die Renditen zunehmend von der Ertragsstabilität, der Qualität der Vermögenswerte und der Sektorauswahl ab und weniger von einer breiten Markterholung.

Ein selektiveres Chancenumfeld

Auf den Private Markets zeichnet sich ein einheitliches Muster ab: Die Streuung nimmt zu.

Auf einfache Gewinne durch sinkende Zinsen und steigende Bewertungskennzahlen lässt sich immer weniger verlassen. Stattdessen zeichnet sich ein differenzierteres Umfeld ab – eines, in dem die Wertentwicklung zunehmend von folgenden Faktoren abhängt:

  • Fokus auf hochwertige Vermögenswerte

  • Identifizierung struktureller Wachstumsthemen

  • Einhaltung der Bewertungsdisziplin

  • Erwirtschaftung vorhersehbarer Erträge.

Die Renditeerwartungen bleiben attraktiv, doch um diese Ergebnisse zu erzielen, sind eine aktive Titelauswahl und ein disziplinierter Einsatz der Mittel erforderlich.  

Vom Zyklus zur Struktur

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Die privaten Märkte entwickeln sich über eine zyklische Erholung hinaus hin zu einem stärker von Fundamentaldaten geprägten Umfeld.

Die Auswahl der Fondsmanager, die Qualität der Vermögenswerte und ein disziplinierter Einsatz von Kapital werden zu immer wichtigeren Renditetreibern, da steigende Bewertungen als Quelle für die Wertentwicklung an Zuverlässigkeit verlieren.

Anleger sollten sich auf robuste Cashflows, strukturelle Wachstumsthemen und Chancen konzentrieren, bei denen ein aktives Management die zunehmende Streuung über Sektoren, Strategien und Vermögenswerte hinweg nutzen kann.

 

  1. Aberdeen, Global Macro Research, Juni 2026
  2. Aberdeen, Juni 2026; PitchBook, April 2026
  3. Aberdeen, Juni 2026; Preqin, Mai 2026
  4. Aberdeen, Preqin, PitchBook LCD, April 2026
  5. Aberdeen, Preqin, PitchBook LCD, April 2026
  6. Proskauer Private Credit Default Index, 1. Quartal 2020–1. Quartal 2026
  7. Aberdeen, Juni 2026; Infralogic, April/Mai 2026; Preqin, Mai 2026
  8. Aberdeen, Scientific Infra (InfraMetrics), April 2026
  9. Aberdeen, Preqin, Mai 2026
  10. RCA, Aberdeen, März 2026
  11. RCA, Aberdeen, März 2026
 

 

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