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Nachhaltiges Investieren

Impact Investing: Die Ökonomie der nachhaltigen Nachfrage

Wo können Impact-Investoren angesichts nachlassender politischer Unterstützung beständige Nachfragequellen finden?

Autor
Head of ESG - Equities
Contributors
Catriona Macnair, Samuel Bevan
Stylised digital water droplet surrounded by electricity pylons and interconnected network lines.

Dauer: 7 Minuten

Datum: 26. Okt. 2026

„Wir erleben gerade einen ‚Bruch in der Weltordnung‘“, sagte Kanadas Premierminister Mark Carney in einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum Anfang dieses Jahres. 

 

Wahrgenommene Eigeninteressen haben nun Vorrang vor globalen Interessen, und „die Architektur der kollektiven Problemlösung [ist] bedroht“.
 


Regierungen konzentrieren sich zunehmend auf innenpolitische Prioritäten, von Energiesicherheit und industrieller Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Haushaltszwängen, während multilaterale Institutionen unter wachsendem Druck stehen. 

Infolgedessen sind die Budgets für Entwicklungshilfe unter Druck geraten, obwohl der Finanzbedarf zur Bewältigung globaler Entwicklungsherausforderungen nach wie vor beträchtlich ist.
 


Für Impact-Investoren markiert dies einen bedeutenden Wendepunkt. Ökologische und soziale Herausforderungen gewinnen zunehmend an Dringlichkeit, doch politische Unterstützung kann nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden und Finanzierungsmittel werden knapper.
 


Vor diesem Hintergrund hängt die Attraktivität von Impact Investing zunehmend davon ab, Rendite und positive Wirkung miteinander in Einklang zu bringen.
 


Erfolgreiches Impact Investing muss finanzielle Renditen mit gezielten, positiven und messbaren ökologischen oder sozialen Ergebnissen verbinden. 
 


Im heutigen Umfeld erfordert Erfolg eine Konzentration auf Unternehmen, die attraktive Kapitalrenditen erzielen können, ohne auf regulatorischen Rückenwind angewiesen zu sein. 
 


Anstatt die Argumente für Impact Investing zu schwächen, könnte ein weniger förderliches politisches Umfeld die Anlagedisziplin sogar stärken. 
 


Investoren sind zunehmend gezwungen, sich stärker auf wirtschaftliche Fundamentaldaten, Wettbewerbsvorteile und langfristig stabile Nachfragequellen zu konzentrieren.
 

 

Impact: Wo Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Chancen aufeinandertreffen

 

Die Argumente für Impact Investing gewinnen an Überzeugungskraft, da Investoren erkennen, dass viele der drängendsten gesellschaftlichen Probleme zugleich dauerhafte wirtschaftliche Bedürfnisse darstellen. Politische Prioritäten mögen sich ändern, doch die zugrunde liegenden Nachfragetreiber bleiben bestehen. 
 


Eine alternde Bevölkerung benötigt Gesundheitsversorgung. Volkswirtschaften sind auf zuverlässige Infrastruktur, Finanzdienstleistungen und Energiesysteme angewiesen. Gleichzeitig sind Unternehmen anfällig für ökologische Einschränkungen wie Wasserknappheit, Verlust der Artenvielfalt und Ressourcenverknappung. 
 


Ungedeckte Bedürfnisse waren schon immer eng mit wirtschaftlichen Herausforderungen verbunden, doch die geopolitische Fragmentierung hat die Wahrnehmung vieler Impact-Themen durch Investoren verändert. 
 


Themen, die früher vor allem unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet wurden, werden zunehmend als Fragen der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und der nationalen Sicherheit angesehen.
 


Die Natur liefert ein Beispiel dafür. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass mehr als die Hälfte des globalen BIP „mäßig“ oder „stark“ von der Natur und ihren Ökosystemleistungen abhängt. 
 


Biodiversität, Wassersysteme, Böden und Wälder bilden die Grundlage für alles – von der landwirtschaftlichen Produktion bis hin zu industriellen Lieferketten – und gewinnen damit zunehmend an Bedeutung für die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und die Profitabilität von Unternehmen.
 


Ein weiteres Beispiel ist der Energiesektor. Nach den Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine haben viele Regierungen die Bedeutung einer sicheren und diversifizierten Energieversorgung neu bewertet. 
 


Erneuerbare Energieerzeugung, Speichertechnologien, Netzausbau und Energieeffizienz können nicht nur zur Dekarbonisierung beitragen, sondern auch die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und die Energiesicherheit stärken. 
 


Für Investoren ist deshalb die entscheidende Frage, welche Unternehmen am besten positioniert sind, um diesen anhaltenden Bedarf gewinnbringend zu decken. 
 


Das Missverhältnis zwischen der wachsenden Nachfrage nach Lösungen und den begrenzten öffentlichen Finanzmitteln schafft Chancen für Unternehmen, die in der Lage sind, entsprechende Lösungen in großem Maßstab umzusetzen.
 

 

Chancen durch sich wandelnde Bedürfnissen erkennen

 

Anleger sollten zudem berücksichtigen, dass sich ökologische und soziale Herausforderungen mit dem technologischen und wirtschaftlichen Wandel weiterentwickeln. Neue Formen wirtschaftlicher Aktivität können neue, bisher ungedeckte Bedürfnisse und damit neue Anlagechancen schaffen.
 


Kaum eine Entwicklung veranschaulicht diese Dynamik besser als die künstliche Intelligenz (KI). Ihre rasche Verbreitung verspricht Wachstum, geht jedoch auch mit einem hohen Bedarf an Strom, Wasser und kritischen Ressourcen einher. Damit wächst auch die Notwendigkeit erhöht, ihren ökologischen Fußabdruck zu steuern.
 


Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der Strombedarf von Rechenzentren und KI-bezogenen Aktivitäten im Laufe des nächsten Jahrzehnts deutlich steigen wird. KI mag zwar erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, führt aber auch zu Ressourcenengpässen, denen sich Unternehmen, Regierungen und Investoren stellen müssen.
 


Mit der zunehmenden Verbreitung der KI wird Ressourceneffizienz zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Die Bereitstellung von mehr Rechenleistung bei geringerem Energie- und Wasserverbrauch sowie geringeren Infrastrukturanforderungen ist ein Wettbewerbsvorteil.
 


Dies schafft Chancen für Unternehmen, die innovative Technologien  anbieten, die dazu beitragen, die digitale Infrastruktur effizienter zu machen. Fortschrittliche Halbleiter, Energiemanagementsysteme, Kühltechnologien und die dazugehörige Infrastruktur tragen dazu bei, den Ressourcenverbrauch zu senken und gleichzeitig das anhaltende Wachstum der Nachfrage nach Rechenleistung zu unterstützen. 
 


Die Chancen reichen über den Technologiesektor hinaus. Sie umfasst Energieversorger, die in eine CO₂-ärmere Stromerzeugung und Netzkapazitäten investieren, Unternehmen, die den industriellen Wasserverbrauch senken, Anbieter im Bereich der der Entsorgung gefährlicher Abfälle, sowie Unternehmen, die die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern.
 

 

Abschließende Gedanken

 

Der „Bruch in der Weltordnung“ macht Impact Investing nicht hinfällig. In vielerlei Hinsicht stärkt er sogar die Anlageargumente dafür, indem er den Fokus von politischer Unterstützung hin zu den zugrunde liegenden wirtschaftlichen Zusammenhängen verlagert: Unerfüllte soziale und ökologische Bedürfnisse sind beständige Quellen kommerzieller Nachfrage. 

Die Bedürfnisse von morgen werden andere sein als die von gestern. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Entwicklung lokaler, regionaler und globaler Bedürfnisse im Blick zu behalten und Unternehmen zu identifizieren, die mit Innovationen Lösungen darauf reagieren. 

Die überzeugendste Chance für jeden Anleger liegt dort, wo Rendite positive Wirkung vorantreibt. 



 

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